Die Gestaltung der Seelsorgestelle Treffling überzeugt
Ausgabe: 2003/13, Treffling, Tollerian, Küllinger, Katsuhito, Japan
25.03.2003
- Elisabeth Leitner
Seit 1991 ist Mag. Franz Küllinger Pfarrassistent in Treffling. Damals gab es in Treffling allerdings nur ein unbebautes Grundstück und Visionen, wie eine zukünftige Seelsorgestelle gestaltet sein sollte.
Ein Architektenwettbewerb brachte die Trefflinger/innen ihren Visionen näher. Ein Haslacher Architektenbüro ging als Sieger des Wettbewerbs hervor. Der japanische Architekt Katsuhito Mitani wurde mit der Detailplanung und Bauführung beauftragt.
Herbert Friedl, ein Künstler aus Pregarten, konnte für die künstlerische Gestaltung des Kirchenraums gewonnen werden. Architektur und Kunst waren somit von Anfang an verbunden. Bereits 1995 konnte Bischof Maximilian Aichern die Kirche weihen.
Zwar gab es am Anfang Berührungsängste mit dem unkonventionellen Kirchenbau, doch diese verflüchtigten sich bald. „Das ist ja keine Kirche, da geh ich nicht hinein“, meinte etwa eine Trefflingerin nach der Fertigstellung. „Jeden Sonntag ist sie da“, sagt Küllinger schmunzelnd. „Die Trefflinger/innen haben sich hier schnell heimisch gefühlt“, meint PfarrgemeinderatsObfrau Barbara Penkner, eine Trefflingerin. Einige, die schon lange nicht mehr in einer Kirche waren, haben hier wieder begonnen, sich am pfarrlichen Leben zu beteiligen. Der Kirchenraum ist für 90 bis 100 Personen gedacht. Mit dem geöffneten Saal haben an die 300 Kirchgänger/innen Platz – und fast jeden Sonntag ist die Kirche voll.
Die Kirche als das wandernde Gottesvolk – dieser theologische Hintergedanke ist in der Gestaltung des Kirchenraumes sichtbar. „Die Kirche ist ein heller, freundlicher Lebens- und Feierraum, der sehr viel Freiraum ermöglicht. Aber das haben wir erst durch die Architekten gelernt“, erzählt Franz Küllinger. Zur Zeit lädt etwa ein Abrahams-Zelt hinter dem Priestersitz, in der Nähe der Orgel, ein, sich im Kirchenraum in dieses Zelt zurückzuziehen.
Fix montierte Bänke gibt es nicht – statt dessen Stühle, die je nach Bedarf gestellt werden. Der eher länglich wirkende Kirchenraum ist als multifunktionaler Raum konzipiert, der je nach Besucherandrang linkerhand um einen Saal erweitert werden kann. Die Zwischenwände werden einfach zur Seite geschoben. Ein drehbarer Ambo bindet die seitlich sitzenden Besucher/innen ins Geschehen ein. Gelungen ist dem Architektenteam, dass die Proportionen – trotz Vergrößerung des Raumes – stimmen.
Durchdacht und praktisch in der Handhabung sind auch Details wie die in einem schwenkbaren Wandschrank aufbewahrten Liederbücher und die unter der Bühne in einem fahrbaren Gestell verstauten und leicht aufzustellenden Tische. Pfarrsekretärin Gabriela Leidenfrost ist – so wie die anderen Gesprächsteilnehmer/innen – ganz angetan von ihrer Kirche: „Alles ist so praktisch.“
Auch die Veranstaltungsräume im Pfarrheim sind gut genutzt. Spielgruppen und die „Kinderfreunde“ treffen sich in den Gruppenräumen, ein Jugendzentrum bietet Jugendlichen Raum zur Entfaltung und einmal im Monat werden im Untergeschoß des Kirchenraums die Pforten geöffnet: Flohmarkt ist angesagt.
Die Seelsorgestelle hat sich damit zum Dreh- und Angelpunkt von Treffling entwickelt und ist zu einem Zentrum der Begegung für die Trefflinger und Trefflingerinnen geworden.
Elisabeth Leitner
Moderne Kirchenroas: Pfarrassistent Franz Küllinger führt Sie am Freitag, 4. April ab 18 Uhr durch die Seelsorgestelle Treffling und lädt anschließend zur Kreuzwegandacht ein (19 Uhr).