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Gott ist auf Urlaub

Iraker im österreichischen Exil: „Satan ist uns lieber als Saddam.“
Ausgabe: 2003/13, Gott, Urlaub, Noori, Altemimy, Bischof, Aichern, Saddam, Satan
25.03.2003
- Ernst Gansinger
Im Irak ist kaum eine Familie vom grausamen Regime Saddam Husseins nicht betroffen. „Lieber Satan als Saddam“, sei daher die Devise der Iraker.

Vor zwölf Jahren floh der Kurde Omar Noori aus dem Irak. Er war Rechtsanwalt und lebt nun schon länger als zehn Jahre in Österreich. Vor acht Monaten floh der Journalist Akram Altemimy aus dem Süden Iraks nach Linz. Beide wurden im Irak bedroht, verfolgt, inhaftiert und gefoltert. Altemimys Familie lebt derzeit im kurdischen Gebiet im Norden des Irak. Wie es ihr geht, weiß er nicht. Nooris Familie ist in Österreich. Saddams Regime hat viele Iraker ermordet. Das Schicksal Zehntausender ist unbekannt.

Akram Altemimys Auge ist noch von der Folter gezeichnet. Er wurde geschlagen, an den Füßen aufgehängt, mit Zigaretten gebrannt. Seine Familie durfte er jahrelang nicht sehen. Omar Noori zwangen Folterknechte zuzuschauen, wie sie dreimal eine Studentin vergewaltigten. Weil er wegschaute, schlugen sie ihn und fragten, warum er sich abwende. Er sagte: Wegen Gott.“ – „Gott ist auf Urlaub“, spotteten die Folterer. Nachdem sie das Mädchen vergewaltigt hatten, hängten sie es an den Füßen auf. Zwei Soldaten klammerten sich an ihre Arme. Nach zehn Minuten war sie tot ...

Keine Chance im Land


„Satan ist uns lieber als Saddam.“ – Wen wundert es bei solchen Erlebnissen, dass die Iraker jede Veränderung begrüßen? „Die Iraker haben keine Hoffnung ohne Krieg“, sagen Noori und Altemimy. „Jede Opposition wird brutal im Keim erstickt.“ Ein Krieg traumatisiere, aber auch ohne Krieg sind die Iraker traumatisiert. „Für sie ist es egal. Sie sind tot, tot, tot. Wenn sie aber sehen, dass Regierungsgebäude zerstört werden, gibt es ihnen Hoffnung ...“

„Ich bin gegen einen Krieg“, sagt Noori, „aber die Iraker denken anders. Die Amerikaner sind für uns viel besser als Saddam. Aber ein Krieg ist schmutzig.“ Aber auch das Wirtschaftsembargo traf das Volk. Saddam Hussein und seine Leute lebten in Luxus, während Kinder verhungerten ...

Hilfe, nicht Eroberung


Noori, ein Kurde, ist Sunnit, Altemimy ist Schiit. „Unsere Zukunft ist, wie Geschwister miteinander zu leben.“ Sie wollen einen Irak, der in Freiheit und Brüderlichkeit zur Demokratie findet. In Kurdistan funktioniere Demokratie schon. Es werde aber ein langer Weg sein. Die Iraker kennen die Freiheit und Demokratie nicht, wie sie für Europa selbstverständlich ist. Nach dem Krieg wird es Rache und viele Probleme geben. Mit Hilfe von Europa und den USA wäre es schaffbar. Vorausgesetzt, die Amerikaner kommen nicht als Eroberer. Klar sei aber, dass die Amerikaner den Krieg nicht für das irakische Volk führen, sondern für sich selbst (Öl, Terrorbekämpfung). Denn es gibt viele unterdrückte Völker. „Warum bewegt deren Schicksal die USA nicht?“, fragt Noori.

Noori und Altemimy fühlen sich in Österreich wohl. Omar Noori arbeitet nun bei der Caritas als Dolmetsch und Betreuer von Flüchtlingen. Akram Altemimys Traum ist, wieder einmal als Journalist oder in einem verwandten schreiberischen Beruf arbeiten zu können.

Ernst Gansinger




ZUR SACHE


Fasten und beten


„Dieser Krieg ist wirklich ein Ausdruck des Scheiterns unserer Politik.“ So brachte Bischof Maximilian Aichern vor dem Pastoralrat seine Betroffenheit über den Angriff auf den Irak zum Ausdruck.

„Ich habe als Kind den Krieg zwischen 1939 und 1945 miterlebt; das war eine Zeit der Angst, der Unsicherheit, Zeit ohne Vater.“

Eine kriegsschürende Haltung der Großmächte sei zu verurteilen, betonte Aichern. Wirtschaftliche Interessen dürften niemals gegen das Leben von Menschen ausgespielt werden. Christen dürften nicht das Leben predigen und bereit sein, den Tod zu bringen.Während der gesamten Fastenzeit sollten Christen Einkehr halten und sich aktiv für den Frieden einsetzen.

Matthäus Fellinger


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