Sie sitzen in einem klassischen Konzert und haben nur noch irgendwo hinten Karten bekommen. Kurz vor Beginn nehmen hinter ihnen Schüler/innen Platz, die das Konzert offensichtlich im Rahmen des Musikunterrichtes besuchen.
Das Konzert beginnt. Doch umso länger es dauert, umso unruhiger wird die Reihe hinter ihnen. Erst toleriert man die Unterhaltung im Nacken, doch irgendwann wird’s doch zu bunt. Ein scharfer Blick über die Schultern – und schon hat man ein schlechtes Gewissen, weil man den Oberlehrer spielt. „Ist das noch nicht aus?“, tuschelt es am Beginn des vierten Satzes. Geräuschvolles Ausatmen zeigt an, dass hinter ihnen die Nerven blank liegen.
Zugegeben: Die Jugendlichen hätten ihren Unmut nicht so zur Schau tragen müssen. Aber welchen Sinn hat es, Schüler/innen zwangsweise in klassische Konzerte zu schleppen? Es treten nämlich nur zwei Effekte ein: Den Schülern ist Klassik für den Rest ihres Lebens ein Gräuel. Und die Zuhörer in der Nähe der Gruppe werden keine Freude haben, wenn sie wieder Jugendliche im Konzert treffen. Selbst wenn es Klassik-Freaks sind. Die gibt’s nämlich auch.