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Diakone: Vertraut mit menschlichem Leben

Prof. Paul Zulehner präsentierte die Diakonen-Studie
Ausgabe: 2003/14, Auge, Kirche, Zulehner, Engl, Priesterrat, Diakon, Diakone, Solidariät
01.04.2003
- Ernst Gansinger
Die Diakone sind die solidarische Elite der Gesellschaft. – Der Zulehner-Bericht wurde mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen.




Diakone pflegen Solidarität unter den Menschen. Sie sind in dieser Beziehung „das Auge der Kirche“, bringt es der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner zum Ausdruck. Am Samstag, 29. März, trafen einander Oberösterreichs Diakone und deren Ehepartnerinnen im Linzer Priesterseminar zu ihrer Frühjahrs-Studientagung. Ziel des Wirkens der Diakone in der Kirche ist es, dass die christlichen Gemeinden selbst diakonisch werden – indem sich die Pfarrangehörigen um andere Menschen kümmern. Diakone geben so ein Beispiel des Füreinander-Lebens. Ebenso wirken Diakone in den Pfarren im Dienst der Verkündigung und in der Feier der Liturgie.

Die „ständigen Diakone“ gehören dem Klerus der Kirche an. Die weitaus meisten sind verheiratet. Die Mehrheit der Diakone ist ehrenamtlich – neben einem Zivilberuf – tätig, immer mehr streben aber das Diakonat als Beruf an. Die „Zuwachsrate“ ist zur Zeit höher als bei den Priestern.




Das Auge der Kirche


Diakone im Scheinwerfer der wissenschaftlichen Untersuchung


„Die Diakone sind nicht im Gefängnis der Diesseitigkeit gefangen“, fasst Prof. Paul Zulehner seine Studie „Diakon 2002“ zusammen. Sie sind Männer, die gegen den Trend der Zeit Solidarität pflegen, sie sind dienende Männer!

Drei Kernkompetenzen führte Prof. Zulehner am 29. März 2003 bei der Frühjahrstagung der Ständigen Diakone und ihrer Ehefrauen sowie der Kandidaten des Diakonatskreises der Diözese Linz auf: Diakone als Auge der Kirche – „Ich kenne ihr Leid“ –, als Spiritual der Gemeinde und als Organisator. Zur Tagung ins Linzer Priesterseminar kamen etwa 60 Teilnehmer/innen. Unter ihnen waren auch Bischof Maximilian Aichern und Generalvikar Mag. Josef Ahammer. Prof. Zulehner präsentierte bei der Tagung die Diakonen-Studie, an der sich 14 deutschsprachige Diözesen beteiligten.

Höchstmaß an Solidarität


Für viele heutige Menschen bestehe der Sinn des Lebens darin zu versuchen, das Beste herauszuholen. Diesen Befund stützt Zulehner auf empirische Studien. Viele sehen „das Leben als letzte Gelegenheit“, meinte Zulehner mit Worten der Philosophin Marianne Grönemeyer. Diakone schwimmen gegen diesen Trend. Zulehner liest aus der Studie heraus: „Diakone sind eine Gruppe von Männern, die ein Höchstmaß an solidarischer Haltung aufbringen.“Das macht die Aufgabe nicht leicht, dass diakonischere Gemeinden wachsen. Solidarität als Wert, der im Wort Diakonie angesprochen wird, führt zwar nicht grundsätzlich ein Mauerblümchen-Dasein in unserer Gesellschaft. So lernen Kinder, dass Teilen das Wichtigste ist – diese Haltung hat 85 % Zustimmung in der Bevölkerung! – Aber es bleibt eher beim Wünschen und kommt viel seltener zum Handeln.


Zulehner nannte einige Zahlen aus der Untersuchung: 97 % der 620 befragten Diakone sind verheiratet, 46 % sind hauptamtliche Diakone, wobei die jungen Diakone stark in Richtung Hauptamtlichkeit tendieren. 44 % der Ehefrauen haben keinen Lohnberuf. Hinter den Zahlen stecken etliche Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Verschiedenheiten. Gemeinsam ist das Bild vom Diakon, der Menschen in Not dient und eine Verbindung der Kirche auch zu Fernstehenden ist. Oder das Verständnis der Diakonie als Solidarität Gottes mit den Menschen. Oder dass die Diakone ihr Diakonat als Verwirklichung ihrer Berufung sehen. Die Verschiedenheit im Verständnis der Diakonie ist gespannt zwischen helfender und politischer Diakonie. „Erst alle Diakone in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen bilden den Reichtum des Diakonenamtes.“ Mit dieser Aussage bricht Zulehner eine Lanze für persönliches Profil und ermutigt diese in der Aus- und Weiterbildung, dieses zu entwickeln. Mit Zulehner ist sich der Sprecher der Diakone, Fridolin Engl aus Ebensee, einig: Das Um und Auf ist die persönliche Glaubwürdigkeit.

Zufriedenheit ist groß


Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass die Diakone mit ihrem Diakonenamt zufrieden sind. Am ehesten leiden Diakone darunter, dass Gemeinden diakonisch zu wenig mitziehen. Im Besuchsdienst, in der Seelsorge an Zielgruppen und in der Betreuung sozialer Projekte sowie in der Ehe- und Familienpastoral sehen die Diakone ihren wichtigsten Beitrag. Kraft schöpfen Diakone unter anderem aus dem Gespräch mit ihren Ehepartnerinnen. Bischof Maximilian dankte auch ganz ausdrücklich den Frauen und Familienmitgliedern für ihr Mittragen des Dienstes der Diakone. Die Diakone schätzen die Ehe hoch ein.




ZUR SACHE


Gegenwart


In der Diözese Linz gibt es derzeit 64 verheiratete Ständige Diakone.

Zukunft


„Laienberufe und den selbstständigen Beruf des Diakons wird es nur geben, wenn es genug Priester gibt, sonst kommen sie in den Sog des leeren Priesterfeldes.“

Ständige Diakone


Die Voraussetzungen zum Ständigen Diakonat: Verheiratete Männer müssen mindestens 35 Jahre alt, sich zur Ehelosigkeit verpflichtende Männer mindestens 25 Jahre alt sein. Die Ehefrau muss einwilligen. Nach Theologiestudium oder Theologischem Fernkurs ist ein dreijähriger Diakonatskurs zu besuchen, bei dem Pfarrer Msgr. KonsR Dr. Eduard Röthlin Ausbildungsleiter ist.

Vertretung


Beim Priesterrat ist eine Kommission „Ständiges Diakonat“ eingerichtet. Am 29. März wurden folgende Vertreter gewählt: Fridolin Engl, Ebensee, als Sprecher; Rudolf Meitz, Lenzing, und Herbert Mitterlehner, Hofkirchen an der Trattnach. Wolfgang Kumpfmüller als Vertreter der Diakone im Priesterrat gehört ebenfalls der Kommission an. Zudem sind zwei Vertreterinnen der Frauen der Diakone durch Wahl in die Kommission entsandt: Juliane Kumpfmüller und Ilonka Meitz. Gemeinsam mit Generalvikar Mag. Josef Ahammer, Ausbildungsleiter Msgr. Dr. Eduard Röthlin und einem Priester (derzeit ist dieses Amt noch vakant) bilden sie die neunköpfige Kommission.


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