„Es ist nichts mehr so, wie es einmal war.“ Dieser Satz gibt die Stimmung in der Gemeinde Mitterkirchen wieder. Einige Bewohner/innen schreiben nun an einem Buch, in dem sie die Erlebnisse und Erfahrungen aus den Tagen des Hochwassers festhalten.
Seit Anfang Februar 2003 treffen sich vierzehntäglich acht Mitterkirchner/innen zu einer Schreibwerkstatt: „Was sich seit August 2002 ereignet hat, soll nicht verloren gehen.“ Zum Verfassen von Texten angeleitet werden sie von der Linzer Schriftstellerin Eugenie Kain. Die Gruppe ist um diese professionelle Begleitung froh: „Ein Stichwort von Frau Kain genügt oft schon und plötzlich fällt uns viel Verdrängtes ein.“
Die ersten Texte sind bereits fertig. Sie kreisen um – vordergründig – unscheinbare Themen wie die Gerüche oder die Geräusche des Hochwassers. In diesen Wahrnehmungen bündelt sich in beklemmender Weise die ganze Katastrophe, unvergleichlich eindringlicher als in den Schadensberichten und Schätzungen. Theresia Schön beschreibt zum Beispiel, wie ihr das Hochwasser im Ohr geblieben ist: „Total durcheinander bringt mich das Plätschern des Hochwassers, als es am dienstagvormittags zwischen den Erdhaufen einen Weg zu Barbaras neuem Haus sucht. Als der Keller voll ist, hört das Plätschern auf und das Wasser steigt im Erdgeschoß still und leise höher...“ Einen Brief an die ebenfalls überschwemmte Pfarrkirche hat Pfarrassistentin Maria Anna Kolmbauer verfasst: „Jetzt, wo du so leer dastehst, da alles weggespült ist – jetzt erst sehen wir, wie edel und kostbar du bist.“
Die Ergebnisse der Schreibwerkstatt sollen im Frühsommer als Buch erscheinen. Ergänzt werden die Texte um Fotos, Zeichnungen von Kindergartenkindern und Dokumente wie das minutengenaue Protokoll des Feuerwehreinsatzes. Auch die Aggressionen, die durch die Flut aufgebrochen sind, möchten die Autor/innen nicht verschweigen: „Da sind Masken gefallen. Durch den enormen psychischen Druck hatten sich manche kurzfristig nicht mehr in der Hand. Aber auch beim Guten hatten sich die Menschen nicht mehr in der Hand.“