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Rhythmus der Natur

Bäuerliche Arbeit – einst den meisten vertraut – ist heute kaum bewusst
Ausgabe: 2003/15, Kaiser, Edenthalerhof, Kirchschlag, Bauer, Natur, Bäuerin, Hof, Borkenkäfer, Bergbauernhof, Bergbauer
09.04.2003
- Ernst Gansinger
Hand aufs Herz: Kennen Sie noch den Rhythmus der Natur? – Viele Menschen haben kaum mehr einen Bezug zur bäuerlichen Welt. Ihre Gedanken sind nicht bei der Landwirtschaft.

Die Kirchenzeitung startet wegen dieses Befunds, dass bäuerliches und nicht bäuerliches Leben einander zunehmend fremd werden, ein „Experiment“: Wir begleiten ein Jahr lang Woche für Woche die Arbeit auf einem Bauernhof und protokollieren, was anfiel. Wir beginnen damit in der heutigen Ausgabe auf Seite 19. So sollte ein Gespür dafür vermittelt werden, was es heißt, mit der Natur zu arbeiten ...

Elfriede (53 Jahre) und Johann Kaiser (56 Jahre) bewirtschaften den Edenthalerhof unweit der Ruine Wildberg in Kirchschlag bei Linz. Auch seine Mutter hilft noch mit. Das Ehepaar Kaiser hat drei Kinder. Klemens, der Jüngste, er ist jetzt 24 Jahre alt, wird den Hof übernehmen.

Bergbauernhof


Den Kaisers schauen wir nun ein ganzes Jahr bei der Arbeit über die Schultern. Sie bringen uns das Arbeitsumfeld eines Bauernhofes näher. Der Hof, ein Vollerwerbsbetrieb in Bergbauernzone 3, hat 19 Hektar Grund, 6 davon sind Wald in steiler Lage (Haselgraben). Die Hofprodukte sind vor allem Milch (35.000 Liter Kontingent), Rinder, Kälber – nirgends üppig viel –, Erdäpfel, Gemüse und einmal im Jahr Hähnchen bzw. Truthähne. Würde Elfriede Kaiser nicht auch direkt vermarkten (Brot, Eier, Gemüse, Fleisch), könnte der Betrieb nicht mehr im Vollerwerb bestehen. Wenn der jüngste Sohn übernimmt, wird er ein Nebenerwerbsbetrieb.

Der Borkenkäfer werkt schon


Das landwirtschaftliche Jahr hat natürlich nicht erst jetzt begonnen. Auch im Winter war viel zu tun. Die Maschinen wurden repariert, geschmiert und geputzt. Solange Schnee lag, konnte man im Wald nichts ausrichten. Holzarbeit wäre wegen der Steilheit zu gefährlich, ja unmöglich. Im März aber gab die Schneeschmelze den Zutritt zur Waldarbeit frei. So sägte der Bauer Buchenscheite und schnitt Fichten aus, die vom Borkenkäfer befallen waren. Der Jungwald wurde durchgeputzt. Auf den Wiesen waren schon Maschinen im Einsatz, um die Wiesen zu „streifen“, das heißt, mit der Egge z. B. Maulwurfshügel einzuebnen. – Auf dem „Roan“, wie ein Randstreifen zwischen Feldern oder zwischen Wegen und Feldern genannt wird, muss das händisch erledigt werden.




NATUR UND LEBEN – Wochenprotokoll


Erste Woche


Start der Serie über das bäuerliche Leben.Der Bauer Johann Kaiser hatte am Montag damit zu tun, eine Drainage wieder zu schließen. Dann machte er die Stellen mit der Egge sauber, fuhr Steine weg - „Steine gibt es jede Menge bei uns“. – In den folgenden Tagen war er viel im Wald, schlichtete Meter-Scheiter. Mit dieser Arbeit ist er noch nicht fertig. Beim Traktor war die Hecklade gebrochen, er schweißte, erneuerte – „was geht, richte ich mir selber; ich habe mehr Zeit als Geld.“ Die Bäuerin hatte – wie immer – am Dienstag und Freitag Direktvermarktungstag. Stallarbeit sowie Haus- und Hofarbeiten gaben den Takt des Tages vor.


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