Wie behinderte Bewohner/innen aus St. Pius in Peuerbach Ostern erleben und malen
Ausgabe: 2003/16, Peuerbach, Ostern, St. Pius, Waldenberger, Bibel
15.04.2003
- Matthäus Fellinger
Bewohner/innen des Institutes St. Pius in Peuerbach haben für Kirchenzeitungsleser/innen zum Thema Ostern gemalt.
Andrea Waldenberger lebt in St. Pius. Sie spricht nicht. Trotzdem drückt sie aus, was ihr Ostern bedeutet. In wenigen, kraftvollen Strichen wird es sichtbar (Bild rechts). Den Kreuzstamm hat Andrea gemalt – aber er nagelt nicht fest auf der Erde. Nach oben hin öffnet sich dieser Todesbalken. Wie ausgebreitete Arme weist er hinauf und verkündet: Der hier gestorben ist, der brachte das Leben. In den vorösterlichen Tagen haben sich Männer und Frauen im Piusheim Peuerbach-Steegen malerisch mit Ostern beschäftigt. Dutzende Bilder zeugen von tiefen Lebensahnungen. Ostern – ein Licht-Ereignis. Auferstehung – ein Farb-Ereignis. Mit Lust haben die jungen und die erwachsenen Menschen daran gearbeitet.
Durch die Ritze dringt das Licht
Anita Baier ist 28. Ihr Bild (siehe Titelseite) erinnert an die biblische Erwähnung, dass der Vorhang zerriss, als Jesus starb. Durch die Ritze des Todes dringt das Licht der Auferstehung strahlend, aber noch nicht sehr mächtig. Eine Erinnerung an die täglichen Nachrichten vom Krieg, die Hoffnung einengen – aber nicht ewig Geltung haben. Glaube an Auferstehung, das ist in diesem Bild verdichtet zur Hoffnung, dass der schmale Lichtstreif sich über das ganze Bild – das ganze Leben – ausbreiten wird. Aber dazu müssen auch die Christen die Farbe der Auferstehung annehmen, ihre Schatten verwandeln zum Licht dieser Auferstehung. Mit dem Vorhang, mit all den menschlichen Verblendungen, ist auch das Dunkel zerrissen. Das Sonnenlicht der Auferstehung dringt durch. Buchstaben und Ziffern malt sie an den Rand des Bildes. Nicht Wörter und Sätze, auch keine Rechnungen werden damit buchstabiert oder nummeriert. Sie sollen nur schmücken, denn alles ist Freude geworden an diesem Tag. Theresia Klaffenböck malt seit 1997 im Rahmen einer Therapiegruppe mit den behinderten Frauen und Männern in St. Pius. Mit ihrer Begabung zu besonderem Sehen erleben die Maler/innen eine tiefe Schau von Ostern. Nicht die Gegenstände des Alltags, die sich mit den Moden wandeln, finden sich auf den Bildern. Ein Ereignis von Licht und Farben ist es. Ein Strahlen, eine Richtung.
Auferstehung in der Bibel
In erstaunlicher Weise erinnern die Empfindungen der Künstlerinnen an die Heilige Schrift. Die äußeren Fakten, wie Menschen Auferstehung erfahren haben, sind in den Evangelien unterschiedlich geschildert. Der Kern ist derselbe. Alle Berichte erzählen von unermesslicher Liebe.Der Tübinger Theologe Meinrad Limbeck machte bei einem „Auferstehungs-Vortrag“ in Linz kürzlich aufmerksam: Wie das leere Grab entdeckt wurde – und durch wen, ist in den einzelnen Evangelien ganz unterschiedlich beschrieben: Beim Evangelisten Markus entdecken drei Frauen das leere Grab – Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome. Im Evangelium des Matthäus waren es zwei Frauen – Maria Magdalena und „eine andere Maria“. Bei Lukas ist wieder von drei Frauen die Rede, allerdings nicht von einer Salome, dafür von einer Johanna. Bei Lukas ist das Grab bereits geöffnet, als die Frauen ans Grab treten. Bei Matthäus ist es noch verschlossen. Erst ein Erdbeben öffnet es. Engel als Lichtgestalten begegnen in den Ostererzählungen. „Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet.“ So formuliert der Apostel Paulus, der erst später zu Jesus gefunden hat, seine Begegnung mit dem Auferstandenen (2 Korinther, 4,6). Gott, so Paulus, hat sich „in mir“ geoffenbart (Gal 1,15f.). Die Kraft der Liebe hat den Tod demnach überwunden. Meinrad Limbeck sieht diese Liebe im „Letzten Abendmahl“ besonders deutlich geschildert: Wie müssen die Menschen getroffen von dieser Begegnung gewesen sein, vor allem, als sie dann den Tod Jesu erleben mussten. „Wir verstehen Ostern wohl nur, wenn wir ein Gespür dafür entwickeln, wie intensiv und außergewöhnlich die Verbundenheit Jesu mit seinen Jüngern und Jüngerinnen und deren Verbundenheit mit ihm an jenem letzten Abend geworden war.“
Der Liebe trauen
Und so meint Limbeck: „Wie wir die Frage nach Jesu Auferstehung beantworten, hat gewiss ... damit zu tun, wie viel wir aus unserer eigenen Erfahrung der Liebe auf Dauer zutrauen. Und so erzählt uns Ostern in all den biblischen Geschichten immer aufs Neue davon: Wie unzerstörbar die Kraft der Liebe ist, wie sie über Abgründe hinweg verbindet und rettet und so das Chaos zu Neuem ordnet.“