Die Rolle der Kirchen in Europa, der Weltfriede und innenpolitische Fragen beschäftigten die Herbstkonferenz der österreichischen Bischöfe.
Besinnung auf die geistigen und religiösen Wurzeln Europas, Versöhnung der Nachbarvölker und Mitarbeit der Christen am „Bauplatz Europa“ sind die Ziele des Mitteleuropäischen Katholikentages. Das betonten die österreichischen Bischöfe am Ende ihrer Herbstkonferenz in St. Georgen (K). Der Katholikentag, an dem sich acht Länder beteiligen, könne ein Beitrag sein, um geschichtliche und nationale Spannungen zu überwinden. Ein Beispiel dafür sei die erst kürzlich unterzeichnete Erklärung der tschechischen und österreichischen Bischöfe. Der österreichische Auftakt des Katholikentages findet am Pfingstdienstag im Stephansdom statt. Erfreut zeigte sich Kardinal Christoph Schönborn, dass das Präsidium des europäischen Konvents einen Paragraphen für die EU-Verfassung vorgelegt habe, der die Rolle der Kirchen anerkennt und einen regelmäßigen Dialog der EU-Einrichtungen mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften vorschlägt. Damit würden die Kirchen auch in ein geregeltes Begutachtungsverfahren für Gesetze einbezogen. Offen hingegen sei noch, ob in der EU-Verfassung ein Verweis auf das religiöse Erbe Europas aufgenommen werde. Zum Irak-Krieg verwies Schönborn noch einmal auf die ablehnende Haltung des Papstes und forderte die Schaffung einer gerechten Nachkriegsordnung unter „der Autorität der UNO“. An die österreichische Bevölkerung appellierte er, der leidtragenden Zivilbevölkerung zu helfen. Vor dem Hintergrund der Note der Glaubenskongregation über den politischen Einsatz der Katholiken riefen die Bischöfe die Laien auf, sich möglichst zahlreich in Politik und Öffentlichkeit zu engagieren und dabei christliche Grundwerte zu vertreten. Zur geplanten Pensionsreform wollen die Bischöfe einen Brief an die Regierung schreiben und dabei vor allem den „Schutz der Schwächeren“ (kinderreiche Familien, Frauen, ältere Menschen mit niedrigem Einkommen) einmahnen. Besorgt sind die Bischöfe über eine Aufweichung der Sonntagsruhe durch die geplanten Ladenöffnungsregelungen.
Bei der geplanten Umwandlung der pädagogischen Akademien in Hochschulen will die Kirche mitziehen. Ihre Akademien bilden 44 Prozent der Pflichtschullehrer/-innen aus.