In die Welt behinderter Menschen konnten sich Passanten der Linzer Innenstadt am 25. und 26. April einfühlen. Die GRÜNEN hatten zusammen mit vielen Organisationen zur „Initiative Weg frei!“ Stationen zum Selbstversuch aufgebaut.
Kunsthochschule Linz, ein Hörsaal im ersten Stock. Am Eingang rät mir ein Mann, das Geld – die Preisliste liegt auf – für meinen Konsumwunsch noch heraußen herzurichten. Drinnen ist es nämlich völlig finster. Ein blinder Mann holt mich ab.
Schwarzes Loch
Wir schlüpfen durch drei von dicken Vorhängen gebildete Barrieren ins schwarze Loch. Stimmen da und dort. Ich bin nicht alleine. Aber wie schauen die Menschen aus? Wie groß ist der Raum? Vorsichtig halte ich zu meinem Führer Tuchfühlung.
Wir kommen bei der Theke an. Ich bestelle ein Bier. Ob ich es selber öffnen kann, fragt mich mein Begleiter, der hier auch kellnert. Ja, ich versuche es. Und einschenken? Versuche ich auch. Ich halte den Finger ins Glas, damit ich merke, wann der Schaum den Rand erreicht. Es klappt.
Der Kellner hat für mich Zeit. Ich sehe dunkelstes Schwarz. Was sieht er? Er ist mit zehn Jahren völlig erblindet. Vorher hatte er Sehreste. Es gibt im Vorstellungsvermögen blinder Menschen große Unterschiede, erklärt er mir. Es kommt darauf an, ob man von Geburt an blind ist oder ob man einmal wenigstens ein wenig gesehen hat. Als Kind sah er Farben. Er weiß, wie Grün ausschaut. Aber wie muss er sich ein Flugzeug vorstellen? Wie einen Vogel, sage ich. Das hilft ihm nicht. Nur was er als Kind ganz nahe an seine Augen halten konnte, nahm er mit den Augen auf.
Informiert vom Hall
Wir unterhalten uns über das Raumgefühl im schwarzen Loch. Der Raum ist groß, sagt er mir. Warum er das weiß? Diese Information nimmt er vom Hall auf. Ich zahle. Ein Geldstück fällt ihm hinunter. Ob er das Geldstück findet? Er hat es schon. Er musste sich der Richtung zuwenden, sagt er mir, in die das Geldstück gerollt ist und den Klang verfolgen.
Ich gehe alleine aus dem Raum. Ganz langsam. Die Arme vorgestreckt als Fühler. Endlich bin ich draußen. Die Sonne blendet, aber ich sehe wieder! Mein Kellner wird nie mehr sehen.... Wie geht es einem blinden Menschen? Was erlebt ein Rollstuhlfahrer, wenn er mit der Straßenbahn fahren möchte? Welche Barrieren tun sich für ausländische Mitbürger auf? Wie können sich gehörlose Menschen mit hörenden unterhalten? – Diese und viele andere Fragen zum Thema Behinderung und „Behindert- Werden“ können lange theoretisiert werden. Oder aber man setzt sich dem Erleben aus. Die Aktionstage der GRÜNEN gaben Möglichkeiten dazu.
ArbeitsintegrationEtwa zehn Prozent der Menschen sind behindert. Das bedeutet, dass in Österreich rund 800.000 Menschen von Behinderungen betroffen sind. Die berufliche Eingliederung behinderter Menschen in das Arbeitsleben bezeichnet die Österreichische Wirtschaftskammer als einen der wichtigsten Schritte zu ihrer Integration. Mit Caritas und Arbeitsmarktservice AMS will die Wirtschaftskammer daher eine Beratungs-, Informations- und Motivationsoffensive bei den heimischen Betrieben durchführen.