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Lehm, Jauche und Stierblut

Die Pfarre Eberschwang baut eine Kapelle wie vor 1100 Jahren
Ausgabe: 2003/17
29.04.2003
- Heinz Niederleitner
Zur 1100-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung von Eberschwang baut die Pfarre ihre ursprüngliche Kirche nach.

„Die Holznägel sind aus!“ Dechant Mag. Stefan Enzenhofer, Pfarrer von Eberschwang, muss für Nachschub sorgen. Denn die Arbeiten an dem Nachbau jener Taufkirche in „heurtteswanc“ (Eberschwang), die vor 1100 Jahren der Wanderbischof Maldavin dem Passauer Bischof übertrug, gehen zügiger voran als erwartet. Und das liegt an der Begeisterung, mit der hier gearbeitet wird.
„Bis zu zwanzig Leute haben an manchen Tagen gearbeitet, über 100 haben bisher insgesamt mitgewirkt“, freut sich Pastoralassistentin Marianne Pichlmann. Dabei machen es sich die Eberschwanger keineswegs leicht: Sie bauen wie vor 1100 Jahren. Keine Spaks, sondern Holznägel verbinden die Balken des Fachwerkgerüstes. In die Zwischenräume wurden Weidenstäbe eingeflochten.

Fenster aus Rinderblasen

In den nächsten beiden Monaten wird hier der mit Stierblut und Jauche eingesumpfte Lehm aufgetragen. „Das dauert so lange, weil der Lehm beim Trocknen bricht und immer wieder nachgebessert werden muss“, erläutert Enzenhofer. Auch die Fenster werden original angefertigt: Kein Glas, sondern aufgezogene Rinderblasen bilden die „Scheiben“. Am 10. August feiert Eberschwang die erstmalige urkundliche Erwähnung mit einem Festzug. „Ohne Pfarre aber machen wir das Ganze nicht“, beschloss Gemeindehistoriker Konsulent Franz Buchinger.

Ursprünglich hätte bloß ein Modell der Taufkirche für einen Festwagen entstehen sollen. „Aber da hat man nur viel Aufwand und nachher nichts mehr davon“, meint Enzenhofer. Also entschloss sich die Pfarre, die Taufkirche als Kapelle wieder zu errichten. Archäologen und Konsulent Buchinger stellten das Wissen um die Bauweise von Kirchen im Frühmittelalter zur Verfügung.
Pichlmann und Enzenhofer fanden bald die Stelle, an der die Kapelle jetzt errichtet wird: Am Hang des Hausrucks haben Besucher einen herrlichen Ausblick. Grundbesitzer Franz Eichmair war so begeistert, dass er das Holz für das Dach spendete. Auch eine Quelle ist dort am Hang. Sie wird in die Kapelle geleitet und dort in ein steinernes Taufbecken aus der Römerzeit fließen.

Ausdruck von Spiritualität

Mit der Kapelle entsteht neben der Pfarrkirche ein zweiter heiliger Ort in Eberschwang. Ihr Bau ist nicht nur Ausdruck von Nostalgie, sondern von Spiritualität: Das gemeinsame Bauen ist wichtig. „Es melden sich auch Leute zur Mitarbeit, die keine Kirchengeher sind“, berichtet Pichlmann. Aber die schlichte Bauweise ist Dechant Enzenhofer ebenso bedeutsam: „Nur ein Kreuz und der Taufbrunnen kommen hinein. Sonst ist Raum frei für die Begegnung des Menschen mit seinem Schöpfer.“Schon jetzt zieht die Baustelle viele Besucher/innen an. Wenn das Werk vollbracht ist, werden sie nicht nur eine historische Rekonstruktion, sondern ein Zeichen lebendigen Glaubens vorfinden.
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