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Gott zieht keine Grenzen

Neuer Dom Linz: Erneuerungsgruppen feiern ein Fest der Barmherzigkeit
Ausgabe: 2003/18, Barmherzigkeit, Faustyna, Dadas
30.04.2003
- Josef Wallner
Zu einem geistlichen Tag in der Tradition von Sr. Faustyna Kowalska hatten kirchliche Gruppen am 26. April 2003 in den Neuen Dom geladen: Die „Barmherzigkeit Gottes“ stand im Mittelpunkt des Treffens.

Papst Johannes Paul II. bezeichnete die 1938 verstorbene polnische Ordensfrau Faustyna Kowalska als ein „Geschenk an die Kirche“. Ihre Visionen über die Barmherzigkeit Gottes prägen auch Spiritualität und Theologie des Papstes. Um der Bedeutung der Barmherzigkeit im Leben der Kirche besonderen Nachdruck zu verleihen, hat das Kirchenoberhaupt zur Heiligsprechung von Sr. Faustyna im Jahr 2000 den Weißen Sonntag offiziell zum Sonntag der Barmherzigkeit erklärt und dessen Feier angeregt.
Die Charismatische Erneuerung der Diözese Linz, der Linzer Karmelitenkonvent und sechs weitere Gruppen haben diese Anregung des Papstes aufgegriffen und ein Fest der Barmherzigkeit gefeiert: Schwestern aus dem Orden der heiligen Faustyna waren in Linz und berichteten, dass jährlich an die zwei Millionen Pilger zum Grab der Heiligen in der Nähe Krakaus kommen, um sich dort der Barmherzigkeit Gottes anzuvertrauen. Zeugnisse, wie Menschen in Österreich die Barmherzigkeit Gottes erfahren, gehörten ebenso zum Programm des geistlichen Tages wie die „Stunde der Barmherzigkeit“, die Pfarrer Josef Michal aus Windhaag, Mitinitiator des Festes, gestaltete. Den abschließenden Gottesdienst feierten nach Auskunft der Veranstalter an die 1000 Menschen mit, nach Schätzung der Domverwaltung rund 750 .
Pfarrer Michal freut sich, dass die Teilnehmer/innen am Fest die geistlichen Schritte des Tages mit beeindruckender Bereitschaft mitvollzogen haben: Besonders die Verehrung der Reliquien von Sr. Faustyna und des Gnadenbildes wurden zu einem Höhepunkt. Hunderte Gläubige traten einzelne nach vor und legten so auch voreinander Zeugnis von ihrem Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit ab.
„Wenn man die Botschaft von Sr. Faustyna theologisch durchdenkt, ist sie eine hochmoderne Idee“, analysiert Józef Niewiadomski. Für den Dogmatik-Professor aus Innsbruck steckt hinter den traditionellen Sprachbildern Revolutionäres: „Das letzte Wort von Gott ist nicht das Ausschließen von Menschen, sondern deren Rettung“. Mit der Art, wie Jesus am Gnadenbild dargestellt wird, könne er nicht viel anfangen, stellt Niewiadomski klar, aber mit der Botschaft: „Gottes Barmherzigkeit ist grenzenlos und er lässt keinen Menschen verloren gehen“. Niewiadomski: „Es geht nicht um eine harmlose Liebe, aber das letzte Wort hat Gottes Barmherzigkeit.“




Das Barmherzigkeits-Fest

Zur Sache

Das Fest der Barmherzigkeit (am weißen Sonntag) hat seinen Ursprung in den Visionen der polnischen Nonne Faustyna Kowalska (1905 bis 1938). Das Fundament ihrer Geistigkeit bildet das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes, wie es in der Heiligen Schrift ihren Ausdruck findet. Sie versteht ihr Wirken als Apostelin der Barmherzigkeit. Schlüsselworte ihrer Spiritualität sind das Vertrauen auf Gott und die Haltung der Barmherzigkeit dem Nächsten gegenüber. Konkret zeigen sich in ihren Visionen fünf Wege, „um aus der barmherzigen Liebe Jesu zu schöpfen“, so ein Text auf einem Andachtsbild. Der erste Weg ist die Verehrung des Gnadenbildes (siehe Foto oben), das Sr. Faustyna so anfertigen ließ, wie sie Jesus geschaut hat. Zweitens empfiehlt Sr. Faustyna den Barmherzigkeits-Rosenkranz, drittens die Stunde der Barmherzigkeit(tägliches Gebet zur Todesstunde Jesu, besonders freitags. Der vierte Weg besteht in einer Novene zur göttlichen Barmherzigkeit (vor allem von Karfreitag bis zum Weißen Sonntag) und der fünfte in der Feier des Sonntags nach Ostern als Fest der Barmherzigkeit.




Anfragen

Zur Sache

Das Jesusbild, das nach den Visionen von Sr. Faustyna gemalt wurde, ist in Polen überall bekannt, erklärt Mag. Slawomir Dadas, Pfarrer in Hörsching. In seiner Heimat Polen gehört die Verehrung dieses Jesusbildes zu den selbstverständlichen Frömmigkeitsformen wie Kreuzweg oder Maiandacht. Pfarrer Dadas erlebte die von Sr. Faustyna angeregte Barmherzigkeits-Spiritualität als einen Weg unter vielen, in seiner eigenen Familie zum Beispiel ziert kein Jesusbild dieser Art die Wände.
Als Pfarrer Dadas in Österreich mit Gruppen in Kontakt kam, die Sr. Faustyna und ihre Botschaft verehrten, musste er eine Verschiebung feststellen: Das Bild als Bild bekam eine so zentrale Stellung, dass man nicht mehr von einer normalen Frömmigkeitsform sprechen konnte, so Dadas. In Polen hat übrigens die Kirche den Sonntag der Barmherzigkeit zum Caritassonntag erhoben, um deutlich zu machen, dass zur Spiritualität der Barmherzigkeit die tätige Nächstenliebe gehört.

Dompfarrer Dr. Maximilian Strasser merkt kritisch an, dass die vorgesehene Novene zur Vorbereitung des Barm-herzigkeitsfestes – beginnend mit Karfreitag – die Kar- und Ostertage zudeckt und am weißen Sonntag erst recht das Taufgedächtnis. Außerdem findet er die Opfertheologie problematisch, die mit dem Barmherzigkeits-Rosenkranz (besonders mit dem „Gebet zur großen Perle“) verbunden ist: „Es ergibt theologisch keinen Sinn, dass Menschen Jesus seinem Vater-Gott aufopfern. Das ist die Sprache der Gewalt.“ Dieser Opferbegriff grenzt an Magie und bringt vor allem geistlich nicht weiter, so Strasser: Opfer heißt immer persönliche Lebens-hingabe. Menschen dürfen Gott für die Lebenshingabe Jesu danken und in die Nachfolge Jesu eintreten.
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