In einem Teil der Grobblechhalle der VOEST standen am 1. Mai die Räder still. Nicht weil gestreikt wurde, sondern weil Gottesdienst war.
Ein Grollen, als ob ein Schnellzug vorbeidonnern würde. Kirchenglocken braucht es da keine mehr. Zischend schießt die glühende Stahlplatte aus der Walze in die Kühlung. Ganz vorne in der mehr als einen Kilometer langen Werkshalle wurde für diesen Abend am 1. Mai sauber gemacht. Ein Kreuz hängt vom Kranhaken direkt über dem Altartisch. Die Christliche Betriebsgemeinde der VOEST feiert die Festmesse zum 50-Jahr-Jubiläum. Die Werksleitung hat für drei Stunden die umliegenden Maschinen abschalten lassen. Das Jubiläum der Betriebsseelsorge ist auch ihr etwas wert. Eine ganze Reihe von Arbeitern nutzt die Pause nicht für die Kantine. Sie feiern im Blauzeug die Messe mit. An diesem Abend sind sie besonders betroffen. Letzte Nacht ist einer ihrer Kollegen mit 52 Jahren plötzlich gestorben. Glaube, Leben, Arbeit, das ist eins – es wird bei diesem Gottesdienst spürbar. „Gott ist anwesend in jeder Arbeiterin und in jedem Arbeiter“, sagt VOEST-Pfarrer Rupert Granegger.
Mit Betriebsbesuchen, auch mit Arbeitseinsätzen sucht die Betriebsseelsorge seit 50 Jahren Kontakt mit den Menschen direkt bei der Arbeit. „Es gibt viel zu entdecken, wie Gott im Alltag der Menschen wirkt“, meint Granegger. „Kontakt ist das achte Sakrament“, hat der erste Werkskaplan Josef Holzmann einmal gesagt. In der Wahringerstraße 30 liegt die „VOEST-Pfarre“. 15 Runden treffen sich hier regelmäßig. Jugend- und Kindergruppe gibt es hier ebenso wie Stammtische und die regelmäßigen Gottesdienste am Samstagabend. VOEST-Betriebe nutzen die Gastfreundschaft des Zentrums für Versammlungen und Feiern. Höhepunkt jedes Jahr ist die Barbarafeier mit dem Totengedenken für die verstorbenen Mitarbeiter/innen. Die nächste wird Bischof Maximilian Aichern leiten – direkt in einer Werkshalle. Der arbeitende Mensch ist „Sozialbischof“ Aichern ein besonderes Anliegen.
Zur Sache:
Gute Arbeit
Die Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung startete bei der Jubiläumsfeier der VOEST-Betriebsseelsorge ihre Aktion „Gute Arbeit“. Die Kampagne soll ein Nachdenken über die Qualität von Arbeitsplätzen in Gang setzen. Gerechte Entlohnung soll die Menschen von materiellen Sorgen befreien – und ist daher ein Hauptkriterium für gute Arbeit. „Gute Arbeit“ nimmt Rücksicht auf die Umwelt. Und „Gute Arbeit“ nimmt auch Rücksicht auf die Gesundheit der Arbeitenden. Familie, Beruf und ehrenamtliche Tätigkeit sollen sich gut verbinden lassen.