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Leben im Staat ohne Staat

Soziale Pionierarbeit der Caritas Mostar wird aus OÖ unterstützt
Ausgabe: 2003/19, Mostar, Pionierarbeit, Caritas, Serbien, Flüchtlinge
07.05.2003
- Heinz Niederleitner
Bild: Caritasdirektor Don Ante Komadina tauft ein Kind in der Einrichten "Hl Familie" für Schwerstbehinderte.




Bosnien-Herzegowina ist ein konfliktbeladener Vielvölkerstaat. Soziale Probleme kann und will der Staat nicht lösen. Die Caritas springt ein.

Wer die Möglichkeit hat, wegzugehen, der geht. Denn Bosnien-Herzegowina ist ein im Dayton-Abkommen geschaffener Staat, mit dem die wenigsten Einwohner Freude haben. Die bosnischen Serbien wollen zu Serbien, die kroatische Minderheit will zu Kroatien gehören und auch die bosnischen Muslime haben eigene Interessen. Zu den nationalen Problemen gesellt sich eine darniederliegende Wirtschaft und eine staatliche Verwaltung, die grundsätzliche Voraussetzungen nicht erfüllt.
Ein Fall ist die Pfarre Domanovici. Viele aus anderen Teilen Bosniens vertriebene Kroaten haben sich hier angesiedelt. Rund drei Viertel der Pfarrbevölkerung sind kroatische Flüchtlinge, die während und nach dem Krieg hierherkamen. Zuerst hat sie Kroatien unterstützt, sie haben begonnen, Häuser zu bauen. Doch die Unterstützung versiegte und in den vier Flüchtlingsdörfern der Pfarre stehen halb fertige Bauten. Viele Häuser haben noch immer kein Dach. Manchmal sind zwar die Ziegel vorhanden, aber es fehlt der Dachstuhl. Im nahen Flüchtlingslager sieht es noch schlimmer aus. Die Menschen leben in ärmlichen Verhältnissen. Hoffnung auf Arbeit gibt es kaum.Über Vermittlung der Caritas hilft die Pfarre Traunkirchen im Rahmen der Pfarrpartnerschaft. Mehrere Transporte von Hilfsgütern hat Traunkirchen durchgeführt: von Möbeln bis zu Medikamenten. In diesen Tagen ist ein Transport vor Ort. Die Traunkirchner haben einen Soforthilfefonds dotiert, mit dem der Pfarrer von Domanovici bei extremen Härtefällen helfen kann. 30 Dächer konnten dank der Hilfe aus der Partnerpfarre gedeckt werden. Letzten Sommer haben Jugendliche aus Domanovici Traunkirchen besucht, der Gegenbesuch ist für diesen Sommer geplant.

Trinkwassertransporte

Ein wichtige Hilfe besonderer Art stellen die beiden Löschfahrzeuge aus Traunkirchen dar. Da der Staat die Trinkwasserversorgung nicht bereitstellt, sind die Flüchtlinge auf Zisternen angewiesen. Im Sommer wird das Trinkwasser mit den beiden Tankwagen transportiert. Eine Wasserleitung ist zwar schon lange geplant, aber ein Pfarrverantwortlicher schildert die Situation so: „Wir leben in einem Staat ohne Staat.“ Das heißt: Staatlicherseits ist keine Hilfe zu erwarten.
In Domanovici ist der Pfarrer Ansprechperson für die Probleme der Menschen. Fährt er in ein Flüchtlingsdorf, wird er gleich von seinen Pfarrangehörigen umringt. Sie haben sonst niemanden, an den sie sich wenden können. Eine ähnliche Pfarrpartnerschaft besteht zwischen St. Florian und Potoci.
Organisiert wird die Hilfe von der Caritas Mostar, die seit 1992 von der Caritas der Diözese Linz unterstützt wird. In diesen zehn Jahren hat die Caritas Linz den Menschen in Mostar, neben direkten Hilfen von Pfarren und Privatgruppen, mit 2,9 Mio Euro geholfen. Außer den Pfarr- und Familienpartnerschaften leisten Caritasdirektor Don Ante Komadina und seine Mitarbeiter/innen mit ausländischer Unterstützung in vielen anderen Bereichen soziale Pionierarbeit – ohne staatliche Unterstützung: Im Frauenhaus „Mirjam“, in der Behindertenwerkstätte „Nazareth“ und im Haus „Heilige Familie“, wo schwerstbehinderte Menschen ambulant und stationär betreut werden.
Doch die Möglichkeiten sind trotz der Hilfe aus dem Ausland beschränkt. In der stationären Abteilung der „Heiligen Familie“ könnten 32 schwerstbehinderte Menschen betreut werden. Es sind aber nur zehn, weil Geld für das Pflegepersonal fehlt. Ob in Zukunft der Staat zumindest einen Teil seiner Verantwortung wahrnimmt? „Der Tag wird kommen, wo sie uns unterstützen müssen. Er kommt umso schneller, je besser wir arbeiten“, hofft Don Ante.

Kontakt Traunkirchen: Dkfm. Ewald Fink (Tel. 07617/24 96) melden.
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