Wie Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen ihr Geld „ethisch“ anlegen können, war Thema eines Raiffeisen-Kolloquiums in Linz.
Gast beim Symposion war die französische Ordensfrau Nicole Reille. Sie gehört zu den kirchlichen Pionierinnen der ethischen Geldanlage. Da durch die Überalterung ihrer Gemeinschaft immer mehr Schwestern versorgt werden müssen und die Einkünfte des Ordens durch die sinkende Zahl der „aktiven“ Schwestern immer geringer werden, müsse man auf dem Finanzmarkt Geld verdienen, so Sr. Reille über ihre Ausgangssituation vor zwanzig Jahren. Gleichzeitig konnte sie nicht in Aktien von Unternehmen investieren, die in Ländern der „Dritten Welt“ Menschen ausbeuten und die Umwelt schädigen. In diesen Ländern liegen noch dazu die aufstrebenden Häuser ihrer Gemeinschaft. Um diesen Spagat zu überbrücken, machte sie sich auf die – damals noch einsame Suche – nach Firmen, die ethisch verantwortlich handeln. Mit Erfolg. Inzwischen haben sich 80 französische Ordensgemeinschaften zusammengeschlossen, die ihre Geld ethisch „arbeiten“ lassen. Sr. Reille: „Unsere Stärke ist nicht die Höhe unseres Geldbetrages von 70 Millionen Euro, sondern die Öffentlichkeit, die wir mit unserem Handeln geschaffen haben.“ Denn auch die französischen Gewerkschaften und die Pensionskassen werden künftig auf diese Weise investieren.
Im Rahmen des Symposions stellte die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich auch ihre Renten- und Aktienfonds vor, die nach ethischen Kriterien und nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit wirtschaften.