Anzeichen statt Ansprache: Prof. Peter Dimmel bringt die Anliegen gehörloser Menschen vor.
Foto: Franz M. Glaser
Vollkommene Stille herrschte im Blauen Salon der Schönbrunn, als Prof. Peter Dimmel seine Festgebärden zum Solidaritätspreis-Fest vortrug.
Ein Festvortrag in Gebärdensprache – das ist typisch Solidaritätspreis. Da erlebt man, wie es ist, wenn man kein Wort versteht. Der Vortrag von Prof. Dimmel wurde allerdings übersetzt. Rund 10.000 gehörlose Menschen leben in Österreich, doch nur 60 Dolmetscher/innen gibt es. In Schweden, weist Prof. Peter Dimmel hin, stehen bei der gleichen Zahl gehörloser Personen 600 Dolmetscher/innen zur Verfügung.
Dimmel wies auf die Achtung hin, die Gehörlose mit ihren besonderen Gaben schon in der Antike hatten – als anerkannte Künstler zum Beispiel. Er sprach aber auch von der „traurigen Zeit“ Ende des 19. Jahrhunderts bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Da ist noch längst nicht wieder alles gut geworden. Die Gebärdensprache als offiziell anerkannte Sprache war 1880 abgeschafft worden. Erst seit zwei Jahren ist sie in Oberösterreich wieder anerkannt. Prof. Dimmel setzt sich für die Förderung gehörloser Menschen ein. Jeder zehnte Gehörlose in Schweden hat Matura. „Bei uns sind es nur ein paar“, weiß er um die Auswirkungen der „traurigen Zeit“ und um die Arbeit, die da noch zu tun sein wird. Beeindruckend beim „Zusehen“ war, wie schnell Gebärdensprache möglich ist. Die Übersetzerin musste sich richtig beeilen, um mit den Worten folgen zu können.
Preis mit Geschichte
Menschen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, die sich um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzen, ist das Anliegen des Solidaritätspreises der Kirchenzeitung. Sie griff das beim großen „konziliaren Prozess der christlichen Kirchen“ in Basel formulierte gemeinsame Anliegen der Kirchen auf. In Oberösterreich hat der Preis schnell Fuß gefasst. Das Land Oberösterreich und die Diözese Linz unterstützen den Preis. Die Kirchenzeitung dankt allen, die sich am Preis beteiligt haben – durch Vorschläge, Mitarbeit oder finanzielle Unterstützung. Die Solidaritätspreisträger 2003 werden am 16. Mai 2003 bekanntgegeben.