An Bord der Menschlichkeit Unter Menschen, die für andere etwas übrig haben, fühlt man sich wohl. „Toll, dass ihr dieses Fest organisiert habt!“ So war es von vielen zu hören, die der Einladung, an Bord des Donaudampfschiffes Schönbrunn zu kommen, gefolgt waren. Die Kirchenzeitung organisierte ein Fest für die bisherigen 87 Solidaritätspreisträger. Am Donnerstag, 15. Mai 2003, wird der „Soli-Preis“ zum zehnten Mal verliehen.
Foto: Franz M. Glaser
„Solidarität macht Dampf“ hieß das Motto beim Fest zum „10. Solidaritätspreis“ der Kirchenzeitung. Solidarität ist nicht nur anstrengend. Sie ist auch schön, besonders wenn gefeiert wird.
Still steht Karle am Geländer und blickt hinab in den Maschinenraum. Die mächtigen Kolben und Stangen setzen das Schaufelrad in Bewegung, schieben das Schiff langsam zurück Richtung Anlegestelle an der Nibelungenbrücke. In Bewegung ist heute viel gekommen. Hier am Schiff hat Karle zum ersten Mal in seinem Leben die Stimme seiner Mutter gehört. „Schön war es!“, sagt Karle. In zwei Wochen wird er seine Mutter zum ersten Mal treffen. So haben sie es vereinbart.
Die Freunde vom Verein Arche Noah haben erst vor kurzem Karles Mutter finden können. Beim Fest zum 10. Solidaritätspreis der Kirchenzeitung an Bord der Schönbrunn hat Karle dann schließlich angerufen. Ein kleines Ereignis im Weltgeschehen. Ein großes Ereignis für Menschen, die es betrifft. Zehn Jahre Solidaritätspreis der Kirchenzeitung, das ist ein Fest über zehn Jahre solcher kleiner Geschichten mit großer Wirkung.
87 Einzelpersonen oder Gruppen haben seit 1994 den Solidaritätspreis verliehen bekommen. Rektor Ernst Bräuer ist Vorsitzender der Jury, die aus den jährlich rund 200 vorgeschlagenen Personen und Gruppen die Preisträger und Preisträgerinnen ermittelt. „Für mich ist die Mitarbeit in der Jury jedes Jahr aufs Neue eine Aufhellung eines dunklen Weltblickes, wie wir ihn durch die Medien vermittelt bekommen“, meint er. „Es gibt so viele Menschen, die solidarisch sind und die nicht zur Ellbogengesellschaft gehören“, fasste er beim Fest auf der Schönbrunn seine Erfahrung zusammen.
Waren es am Freitagabend Vertreterinnen aus Wirtschaft, Kultur, Medien und Kirche, die als Gäste am Schiff waren, so gehörte der Samstagnachmittag vor allem den bisherigen Solidaritätspreisträger/innen. Das Schiff war an diesem Nachmittag ausgebucht.
Der Solidaritätspreis hat viele Träger/innen neu motiviert. Zekeriya Eser, der zusammen mit Pfarrer Franz Wild in Traun den Solidaritätspreis für die Verständigung zwischen Muslimen und Christen vor zwei Jahren bekommen hat, ist noch heute sehr dankbar. Sein Einsatz wurde durch den Preis bekannt. Oft wurde er seither eingeladen, um über das Anliegen der Verständigung zu sprechen. Bei der abendlichen Tanzausfahrt hinauf nach Ottensheim und hinunter zur Traunmündung spielten die Gruppen Wiadawö zusammen mit tschechischen Musikern sowie das Duo Cadillac auf. Am Dienstag wurde mit einem Kabarettabend weiter gefeiert.