Sie rechneten nicht miteinander ab, aber sichtlich etwas vor: Landesrat Josef Ackerl (rechts) im Gespräch mit Klubobmann Mag. Wilhelm Molterer (Mitte). Foto: Franz M. Glaser
Die Mitverantwortung braucht die Eigenverantwortung, um ihre gesellschaftliche Akzeptanz nicht zu gefährden. Das ist Position Molterers. Eigenverantwortung setzt Selbstbestimmung voraus, meint Ackerl.
Anlass des Disputs zwischen dem ÖVP-Klubobmann im Nationalrat, Mag. Wilhelm Molterer, und Soziallandesrat Josef Ackerl von der SPÖ war das Kirchenzeitungsfest „Solidarität macht Dampf“. Am Freitagabend, 9. Mai 2003, luden Kirchenzeitung und Hypo Landesbank Vertreter aus Politik, Kirche und Wirtschaft auf das Schiff Schönbrunn (siehe auch die Seiten 4 und 5) ein. Mag. Molterer hielt das Festreferat zum Thema „Solidarität in der Politik“, Landesrat Ackerl war Antwortredner. Nicht nur, aber wesentlich, gingen dabei beide auf die Pensionsreform ein.
Molterer bezeichnete zunächst die Solidarität als Netz gegenseitigen Helfens und der Opferbereitschaft. Dieses Geflecht des Miteinanders sei für eine menschenwürdige Gesellschaft unabdingbar. Molterer mahnte Solidarität auch den kommenden Generationen und Menschen in anderen Ländern gegenüber ein.
Selbstbestimmung
Wo bleibe die Selbstbestimmung, wenn jemand nicht genug verdiene, um Monat für Monat ordentlich über die Runden zu kommen, fragte Ackerl. Zur Eigenverantwortung fehle vielen Mitbürgern die Mittel. Molterers Nachhaltigkeits-Appell, solidarisches Leben orientiere sich an den Auswirkungen des Handelns auf die Zukunft, griff Ackerl auf und forderte nachhaltige Verläßlichkeit. Menschen müssten darauf vertrauen können, dass Lebensentwürfe und Träume für die Zukunft halten.
Eigenverantwortung
Klubobmann Mag. Molterer präsentierte einen Begriff von Solidarität, die es nur im Doppelpack mit der Eigenverantwortung geben könne. Dies wirke sich auch auf den Generationenvertrag aus. Dieser müsse so gestaltet sein, dass er finanzierbar bleibe. Solidarität, so Molterer, „ist eine selbstverständliche Pflicht des Staates und der Gemeinschaft. Diese müssen einspringen, wo Menschen nicht, nicht mehr, noch nicht oder nicht voll für sich sorgen können.“ Von Menschen aber, die dazu in der Lage sind, müsse Eigenverantwortung eingefordert werden. Mitverantwortung und Eigenverantwortung gebe es nur im Doppelpack.
Angst bedroht Solidarität
„Solidarität ist Menschenpflicht, Eigenverantwortung ist etwas, was man sich leisten können muss.“ Mit diesem Satz griff Ackerl die Aussage Molterers auf. Und er ergänzte mit Bezug auf das Tempo, mit der die Regierung die Pensionsreform durchbringen will, dass Solidarität ohne Dialog nicht möglich sei. Eine weitere Mahnung fügte Ackerl hinzu: Angst um die Zukunft bedrohe die Solidarität. Die Politik müsse der Angst entgegensteuern. Das Bekenntnis zur Solidarität war jedenfalls über Parteigrenzen hinweg außer Frage. Die Frage blieb das Wie und Was!
Neben-Sache:
Beim Krawattl
An den drei Tagen des Festes kamen zu insgesamt fünf Veranstaltungen auf die „Schönbrunn“ tausend Menschen. Zwölf Kirchenzeitungs-Mitarbeiter/innen waren im „Dauereinsatz“. Das Foto zeigt drei von ihnen, leicht am Krawattl zu erkennen. Alle trugen Seidenkrawatten, die Kirchenzeitungsmitarbeiterin Kerstin Kandlbinder kunstvoll hergestellt hat.