Ist es selbstverständlich, für verborgtes Geld Zinsen zu verlangen? Bei der 18. Begegnung in der Linzer Synagoge des Forums St. Severin trafen sich der Theologe, Sozialwissenschaftler und Studentenseelsorger Dr. Markus Schlagnitweit und der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, um dieses Thema vom christlichen und den jüdischen Standpunkt aus zu beleuchten. Schlagnitweit holte weit in der Kirchengeschichte aus, um die verschiedenen Wandlungen des kirchlichen Zinsverbotes darzustellen. Er unterstrich die Unterscheidung zwischen angemessenen Zinsen („nicht höher als das zu erwartende Wirtschaftswachstum“) und unverhältnismäßigem Wucher. Oberrabbiner Eisenberg verwies auf das talmudische Verbot, den anderen im Geschäft auszunützen. Statt Zinsen zu nehmen, schlage der Talmud vor, den Kreditgeber am Geschäft zu beteiligen. Bei religiösen Juden gebe es bis heute die Idee des zinsenlosen Kredites.