Regiert Geld die Welt? Die Kirchenzeitung führte mit Generaldirektor Dr. Ludwig Scharinger von der Raiffeisenlandesbank ein Gespräch.
Klafft die Welt des „kleinen Mannes“ und jene der Banker nicht schon weit auseinander?
Scharinger: Man muss bei den Leuten sein. Sich für ihre Sorgen Zeit nehmen. Mein Bankalltag wechselt ständig zwischen intensiven Gesprächen mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik und Hinhören, Reden mit den kleinen Leuten. Es kommt die Frau zu mir, deren Ehe auseinander gegangen ist, die bei den Kindern zu Hause war, keinen Beruf gelernt hat ... Oder der Pensionist, der auf den Rat seiner Bank hin seine Abfertigung in Aktien steckte. Und jetzt sind die Kurse in den Keller gerasselt, er bräuchte aber ganz dringend Geld ... Oder eine Frau mit drei kleinen Kindern, der ihre Bank keine Kontoüberziehung mehr erlaubte ... Solange du das aushältst, bist du mit beiden Füßen auf dem Boden.
Ist Ihnen diese Arbeit Last oder Lust?
Scharinger: Wir haben zu viele Verwalter und zu wenig Gestalter. Ich habe eine Umgebung mit hervorragenden Leuten aufgebaut. Ich habe nicht das Problem, dass ich immer noch mehr machen möchte, sondern dass uns wahnsinnig viel aufgedrängt wird. Geinberg oder Hagenberg sind Beispiele. Das Problem mancher Leute ist: Sie gehen auf etwas drauf, haben nicht die erfahrensten Leute, es fehlt ihnen auch an Emotion. Auf halbem Weg bleiben sie dann stehen.
Haushalten
Was kann die Bankbotschaft an den kleinen Kunden sein?
Scharinger: Die Aufgabe der Bank ist es, Spielraum zu schaffen, zu erhalten und wenn es geht zu erweitern. Es kann nicht Aufgabe sein, dass sich die Kunden alles kaufen können. Sie sollen in der Tendenz beherzigen, immer eine Spur weniger auszugeben, als sie einnehmen.
Ist der Konsumreiz nicht so groß, dass immer mehr Leute schwach werden?
Scharinger: Mehr als 82 Prozent der Kunden haben da kein Problem. Sechs Prozent sind heillos überfordert, zwölf Prozent brauchen eine intensive Betreuung, damit sie nicht absacken.
Schulden
Müsste eine Bank bei Verschuldeten nicht handeln wie ein Wirt handeln soll, der an Alkoholisierte keinen Alkohol mehr ausschenken darf?
Scharinger: Bei den Schulden ist nicht leicht erkennbar, wie weit sich jemand schon in einer sehr ernsten Situation befindet. Daher ist der Vergleich auch nicht gut. Die Frage ist: Weiß ich alles von der Geldsituation des Kunden? Ist ihm aus einer momentanen Schwierigkeit gut zu helfen?
Wie wirkt auf Sie die christliche Botschaft, dass der Mensch vor dem Kapital kommt?
Scharinger: Das Menschliche darf nicht abhanden kommen. Das Geld darf nicht das Wichtigste sein. Es ist ein Instrument, das dem Menschen dienen, nicht ihn beherrschen soll. In Geinberg haben wir mit unserem Einsatz 260 Arbeitsplätze geschaffen und die Region belebt – 96 Prozent der Aufträge bleiben in Oberösterreich. Die Hand in den Hosensack stecken und warten, das tue ich nicht. Ich will aber auch noch ein Mensch bleiben.
Zur Sache
Bankgeschäfte
Die Welt der Finanzen wird immer komplexer und komplizierter. Banken finanzieren Großprojekte oder sind mit Kapital beteiligt. Sehr aktiv ist die Raiffeisenlandesbank. Die Therme Geinberg, die Umfahrung Ebelsberg, der Neubau des Unfallkrankenhauses Linz, das Riesenprojekt Landesdienstleistungszentrum und vieles mehr sind mit Unterstützung (und mancher Ermutigung) der Raiffeisenlandesbank in Angriff genommen worden.