In der Stadt Sarajewo sind viele Kriegsschäden beseitigt, die renovierten Häuser ksnnen aber nicht über die Not hinwegtäuschen, in der vor allem alte Menschen und Familien leben.
Familie Lugosic wohnt seit 1996 wieder in Sarajewo. Davor mussten sie für vier Jahre ihre Heimatstadt verlassen. In der Pfarre St. Georgen an der Gusen fanden sie Aufnahme und Betreuung. Elisabeth Dedl und Eva Fischer, die treibenden Kräfte der Flüchtlingshilfe in den Pfarren St. Georgen an der Gusen und Steinerkirchen/Fischlham, haben kürzlich die vierköpfige Familie besucht. Ihnen gehe es gut, beteuert Frau Lugosic immer wieder. Sie hat Arbeit, ebenso ein Sohn, der zweite macht gerade Matura. Der Wermutstropfen im gelungenen Neustart ist die Arbeitslosigkeit von Herrn Lugosic. Seit Kriegsbeginn im Jahr 1992 ist der 52-jährige Bauingenieur ohne Job. Und wird es vermutlich bleiben. Dennoch dürften sie nicht klagen, betonen sie und lenken die Aufmerksamkeit der beiden Flüchtlingshelferinnen auf die Menschen am Stadtrand von Sarajewo. Dort betreibt der Franziskaner Stipan Radic zwei Suppenküchen. Rund 470 Menschen kommen täglich, um einmal am Tag ihren Hunger mit einer warmen Mahlzeit stillen zu ksnnen. Vor allem Familien mit Kindern sind auf das "St.-Antoniusbrot" angewiesen.
Ein Heiliger der katholischen Kirche gibt zwar der Aktion den Namen, das tägliche Brot wird aber an alle verteilt – unabhängig von ihrer religissen oder ethnischen Zugehörigkeit. Einzige Voraussetzung ist die Bescheinigung, kein Einkommen zu haben. Besonders arm leben alte Menschen. Viele haben ihre Familien im Krieg verloren, oder ihre Kinder haben sich in dem Land, in das sie vor dem Krieg fliehen konnten, eine neue Existenz aufgebaut. Um auch kranke, allein stehende Menschen versorgen zu ksnnen, haben die Franziskaner "Essen auf Rädern" eingerichtet.Da die Suppenküchen auf Spenden angewiesen sind, wird die Flüchtlingshilfe der beiden Pfarren das Projekt unterstützen. Die Erstkommunionkinder von St. Georgen und ihre Religionslehrerin Johanna Kremplbauer sind schon mit gutem Beispiel vorangegangen und sammelten 200 Euro für das Antoniusbrot.