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Alter macht Zukunft

Sozialpartner betonen den Wert älterer Menschen im Betrieb
Ausgabe: 2003/28, Sozialpartner, Zukunft, Betriebe, Voest
08.07.2003
- Ernst Gansinger
„Wer sich bis zum Ende seines Erwerbslebens gebraucht fühlt und im Betrieb noch Nutzen stiftet, ist automatisch motiviert und leistungsbereit.“

In keinem EU-Land wird Alter am Arbeitsplatz abschätziger bewertet als in Österreich. Vorausschauende Betriebe rücken dagegen die über-50-Jährigen ins Blickfeld. Denn in wenigen Jahren (2010) werden die Arbeitnehmer/innen über 45 Jahren die stärkste Gruppe in den Betrieben bilden. Junge Menschen mit entsprechend junger Ausbildung werden rarer. Für die EU rechnen Experten, dass 20 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden müssen; ein Viertel davon für ältere Arbeitnehmer.
„Es sind solche Unternehmen finanziell zu unterstützen, die alles tun, damit ihre Beschäftigten bis zum Pensionsantrittsalter gesund und leistungsfähig bleiben“, schlägt der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, Hubert Wipplinger, vor. Die betriebliche Arbeitsorganisation muss sich ändern, setzt sein Vize Johann Kalliauer nach.

Großes Potenzial nutzen


Die Sozialpartner haben das Modell „Alter macht Zukunft“ entwickelt. Als Ziel wird formuliert, das Potenzial älter werdender Arbeitnehmer/innen zu entdecken, entwickeln, produktiv einzusetzen und für sie attraktive Arbeitsbedingungen bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu schaffen. Das Land Oberösterreich fördert die Kosten mit 50 Prozent bis zu einer maximalen Förderhöhe von E 14.600,–. Hinter den Anstrengungen steht unter anderem die Einsicht, dass es einem Betrieb nützt, das Erfolgspotenzial der erfahrenen Arbeitnehmer/innen zu erhalten. Attraktive Arbeitsbedingungen stärken die Motivation.
Um ältere Arbeitnehmer zu schützen, schlägt die Arbeiterkammer vor, Arbeitgeber gesetzlich zu verpflichten, Kündigungen zu begründen. Mit zunehmender Dauer der Betriebszugehörigkeit soll die Kündigung eines Arbeitnehmers erschwert werden.

Gesundheit fördern


Die Arbeiterkammer veranstaltete am 30. Juni und 1. Juli Studientage zum Thema „mensch.alter.arbeit“. Ob Arbeiterkammer oder Wirtschaftskammer, der Befund ist sehr ähnlich: Älterwerden ist ein Umbau- und kein Abbauprozess. Fachlich-geistig-soziale Leistungspotenziale nehmen mit dem Alter sogar zu, wenn sie gefördert werden! Alter heißt nicht zwangsläufig belastete Gesundheit. Arbeit kann die Gesundheit sogar fördern, wenn sie den Menschen sinnvoll fordert und nicht überfordert.
Die steigenden Krankenstände mit dem Älterwerden sind oft eine Folge eines Zuwenigs an Zukunft, stellte Dr. Irene Kloimüller von „Health@Work“ bei den Studientagen fest. Ihre Aussage wird im Licht des „Arbeitsklima Index“ vom März 2003 noch deutlicher: Drei von vier Beschäftigten glauben, dass sie nicht oder nur schwer wieder eine Arbeit fänden, würden sie arbeitslos.
„Unternehmen müssen daher die rein jugendlich orientierte Arbeitsorganisation und Unternehmenskultur überwinden und auf die Unterschiedlichkeit der Generationen abstimmen“, rät Kloimüller. Reduzierung der Schwere der Arbeit und Erhöhen der Schwierigkeit der Arbeit ist eine Strategie für produktives Altwerden im Beruf. Genauso gelte es, den Pensionsantritt nicht zu erschweren, sondern den Verbleib in der Arbeitswelt zu erleichtern.
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