St. Florian hat Besuch aus Potoci in Bosnien-Herzegowina
Ausgabe: 2003/28, St. Florian, Potoci, Bosnien-Herzegowina, Baumgartner
08.07.2003
- Heinz Niederleitner
Mit 45 Leuten, vorwiegend Jugendlichen, besuchte Kaplan Ivan Turudic aus Potoci St. Florian. Pfarrer Rupert Baumgartner stellte den Gästen dabei die verschiedenen Aktivitäten seiner Pfarre im Kirchenjahr vor.
„Die Stimmung ist schon recht gut.“ Herr Rupert Baumgartner, Pfarrer von St. Florian, freut sich sichtlich über den Besuch der Gäste aus der Partnerpfarre Potoci. 35 Jugendliche, zehn Erwachsene und Kaplan Ivan Turudic waren vergangene Woche für fünf Tage zu Besuch. Seit vergangenem Jahr sind St. Florian und Potoci über Vermittlung der Caritas Partnerpfarren. Im heurigen März hatte der Sozialausschuss von St. Florian die Partner besucht, jetzt erfolgte der Gegenbesuch. Klara und Olivier Repec, die aus Kroatien stammen und in der Pfarre St. Florian aktiv sind, haben sich für den Besuch freigemacht und stehen als Dolmetscher/in und Ansprechpartner/in für die Gäste zur Verfügung. Nach einem Ausflug ins Freibad stellt Baumgartner den Gästen die verschiedenen Aktivitäten der Pfarre und ihrer Gruppen im Laufe des Kirchenjahres mit Dias vor. In Potoci läuft der Pfarrbetrieb erst seit dem Jahr 2000 wieder normal. Im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 war die kroatische katholische Bevölkerung zweimal vertrieben worden. Das bisschen Pfarrleben, das unter dem kommunistischen Regime vor dem Krieg möglich war, wurde ebenso zerstört wie die Pfarrbauten. Nach dem Krieg kehrten die Kroaten nur sehr zögerlich in den nördlich von Mostar gelegenen Ort zurück.
Engagement der Laien
Kaplan Turudic möchte versuchen, einiges von seinem Besuch in St. Florian mitzunehmen und im eigenen Pfarrleben zu übernehmen. „Man kann aber nichts einfach kopieren, sondern muss es dem kulturellen Umfeld entsprechend einbauen“, sagt er. Bei den erwachsenen Gästen fanden neben den Faschingsbildern vor allem das Engagement der Laien ein großes Interesse. Auf die Frage, ob bei einer Stärkung der Laien die Hirten ihre Funktion verlieren, antwortete Pfarrer Baumgartner: „Das glaube ich nicht.“ Er verwies auf die lange Tradition der Laienorganisationen der katholischen Kirche in Oberösterreich und darauf, dass jeder getaufe und gefirmte Christ zur Mitwirkung aufgefordert ist.
Frauenbewegung interessant
Die Gäste aus Potoci wünschten sich vor allem über die Katholische Frauenbewegung mehr Informationen. Kaplan Turudic glaubt, dass in Bezug auf Organisation und Struktur etwas von der Partnerpfarre übernommen werden kann. Die Pfarrbevölkerung in Potoci hätte einen guten Willen. „Vor allem müssen wir das Bewusstsein in den Menschen aufwecken, dass die Kirche zu uns gehört und nicht ein Eigentum der Priester ist“, ist er überzeugt.
Bevor die Florianer mit ihren Gästen zum gemeinsamen Gottesdienst gingen, übergab Pfarrer Baumgartner den Partnern ein Geschenk: Potoci hatte um neue Messgewänder gebeten, die sie nun aus St. Florian mitnehmen konnten.