Nicht von der Diözese angeordnet, sondern von den Leuten gewollt: Fast siebzig Jahre haben die Bewohner/innen von Micheldorf geplant, gesammelt und gebaut, bis ihre Kirche 1953 eingeweiht werden konnte.
Seit den Jahrzehnten des Kirchenbaus hat sich in Micheldorf viel verändert, der Geist der Aufbauzeit blieb aber erhalten. „Micheldorf ist eine lebendige Pfarre. Es gibt viele Leute, die sich engagieren und gerne etwas tun“, freut sich Pfarrer P. Florian Kiniger: „Nur der Priester allein kann in einer Pfarrgemeinde nichts ausrichten.“ Der Blick in die noch junge Geschichte der Pfarre Micheldorf ist für den Ordensmann aus Schlierbach vor allem Auftrag für die Gestaltung der Zukunft:
Lange Zeit war Micheldorf Teil der Pfarre Kirchdorf an der Krems. Da es den Arbeitern und den damals dominierenden Hammerherren ein Anliegen war, eine eigene Pfarrkirche in Micheldorf zu haben, gründeten sie 1885 einen Kirchenbauverein. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte im Jahr 1910 das Fundament der Kirche bis zu einer Höhe von 1,5 Metern geschaffen werden. Der Erste Weltkrieg stoppte den Weiterbau und in den zwanziger Jahren hatten die Bewohner/innen von Micheldorf einen besonders schmerzvollen Rückschlag ihres Engagement zu verkraften: Die Inflation machte alle Ersparnisse wertlos.
Mit P. Joseph Stögmüller erhielt Micheldorf 1925 erstmals einen eigenen Seelsorger. Er trieb den Kirchenbau kräftig voran. So konnte 1934 der vordere Teil des Gotteshauses, das Presbyterium, fertig gestellt und benutzt werden.
Der Zweite Weltkrieg stoppte den Bau abermals, die Glocken wurden für die Verwendung in der Rüstungsindustrie eingezogen. Um dennoch nicht auf den Glockenklang verzichten zu müssen, wurde nach dem Krieg vom Kirchturm aus eine Tonbandaufzeichnung des Mariazeller Geläutes abgespielt. 1950 konnte der Ausbau der Kirche endlich fortgesetzt werden, und am 6. September 1953 weihte Bischof DDr. Zauner die „St.-Josephs-Kirche“. Ein Jahr vor der Kirchweihe war P. Joseph Stögmüller auf der Kirchenbaustelle tödlich verunglückt.
Nach einem hervorragenden Kirchenkonzert war die Visitation von Bischof Maximilian Aichern am 12. und 13. Juli 2003 ein Höhepunkt der Feste zum 50-Jahr-Jubiläum der Pfarre. Ein besonderes Ereignis wird im Herbst begangen: Alle ehemaligen und aktiven Ministranten sind zu einem generationenübergreifenden Treffen geladen.