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Schneepflug vorhanden

Jugendarbeitslosigkeit ist auch im Musterbezirk Rohrbach ein Problem
Ausgabe: 2003/29, Rohrbach, Arbeitslos, Schneepflug, Jugendarbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Arbeit, AMS
15.07.2003
- Heinz Niederleitner
Junge Frau auf Arbeitssuche

Copyright by Foto Begsteiger KEG
Erzherzog Johann Gasse  11
A-8200 Gleisdorf
Tel/Fax +43 3112/2839
foto_begsteiger@nextra.at
Junge Frau auf Arbeitssuche Copyright by Foto Begsteiger KEG Erzherzog Johann Gasse 11 A-8200 Gleisdorf Tel/Fax +43 3112/2839 foto_begsteiger@nextra.at
© A.M. Begsteiger
Rohrbach ist ein Arbeitsmarkt-Musterbezirk (siehe Kasten). Trotzdem gibt es Menschen, vor allem Jugendliche, die keine Arbeit finden.

Tina* wohnt im Bezirk Rohrbach, und sie hat keine Arbeit. Die Zwanzigjährige hat ihre Lehre zur Bürokauffrau mit Auszeichnung abgeschlossen. Mit diesem Abschluss, hieß es, werde sie immer eine Arbeit finden. Aber Tina hat keine Arbeit.

„Viele junge Frauen, die mit der Lehre fertig sind, finden dann lange keine Arbeit. Das gilt insbesondere für den Einzelhandel und den Bürobereich“, bestätigte Mag. Maria Grünbacher vom „Treffpunkt Arbeit & Kirche“ in Rohrbach.

Tina ist bereit auszupendeln, wie es rund die Hälfte der im Bezirk Rohrbach lebenden Beschäftigten tun. Doch bei Vorstellungsgesprächen im Zentralraum wird ihr die Herkunft trotzdem zum Verhängnis: „Ich wurde zweifelnd gefragt, wie das mit dem Pendeln im Winter sei“, erzählt sie. „Ich habe darauf gesagt: Wir haben eh einen Schneepflug. Solange ich pünktlich komme, muss es dem Chef doch egal sein.“

Ein anderes Mal hat man ihr vorgehalten, dass sie gerade die Matura nachholt: „Ich dachte, es sei gut, sich weiterzubilden. Beim Vorstellungsgespräch hat man mich gefragt, ob ich nicht ohnehin weiterstudieren möchte.“ Den Job hat sie dann trotz bester Qualifikation nicht bekommen.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) hat ihr einen Kurs für Computergrundlagen angeboten. „Was soll ich mit dem Grundlagenkurs?“, fragt sich Tina, die seit ihrer Ausbildung mit Computern umgehen kann.

Auch in Tinas Bekanntenkreis sieht es nicht gut aus: „Es gibt keine Jobs im Büro und auch keine in einem Geschäft“, sagt sie. Die Arbeitsmarktdaten (Juni) unterstreichen ihren Eindruck: Von den 397 gemeldeten Arbeitslosen im Bezirk Rohrbach waren 107 – also mehr als ein Viertel – zwischen 15 und 25 Jahren alt. 236 Arbeitssuchende sind derzeit in Schulungen und scheinen in der Statistik nicht als arbeitslos auf.

Für Jugendliche auf der Suche nach einer Berufsausbildung gibt es Einrichtungen wie die Maßnahme „Countdown“ in Haslach. „Die Maßnahme startet jeweils im Herbst, weil die Konkurrenz bei der Lehrstellensuche groß ist“, erzählt der Berufspädagoge Gerhard Höfer.

18 Monate dauert der Kurs, bei dem Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren (manchmal auch ältere) durch persönliche Begleitung, intensives Bewerbungstraining, Praktika und Vermittlungsunterstützung in ihrer Berufswahl unterstützt werden. Dabei sorgen die Betreuer auch neben dem Bewerbungs-Know-how für die notwendige Motivation zur Arbeitssuche. Durch viele Ablehnungen geht diese oft verloren. Derzeit sind 17 Jugendliche bei Countdown in Haslach dabei. „Unser Vermittlungsziel liegt bei 70 Prozent. Wir waren noch jedesmals darüber“, freut sich Höfer über die Jugendlichen, die so einen Ausbildungsplatz bekommen.

Ein Problem scheint aber besonders der Arbeitsmarkt nach der Ausbildung zu sein: 99 von den 107 arbeitssuchenden Jugendlichen sind über 19 Jahre alt, gehören also genau jener Gruppe an, die – so wie Tina – eine Ausbildung abgeschlossen hat.

„Jugendarbeitslosigkeit ist momentan ein Problem“, räumt Hans Hartl, Leiter des AMS Rohrtbach ein, aber: „In einigen Jahren, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge kommen, wird es zu einen absoluten Mangel an jungen Arbeitskräften geben.“

Die demografischen Prognosen sprechen für eine solche Entwicklung: 2010 wird es aller Vorraussicht nach um rund 10 Prozent weniger 15jährige geben als heuer. Arbeitskräfte, nicht Arbeitsstellen werden dann gesucht und rar sein. Für Tina, die jetzt keine Arbeit findet, ist das wohl wenig Trost.

* Name von der Redaktion geändert.




ZUR SACHE


Arbeitsmarkt im Bezirk Rohrbach


Rohrbach ist ein Musterbezirk in der Arbeitsmarktstatistik: Im Mai war er mit 1,9 Prozent Arbeitslosenrate österreichweit der beste Bezirk, im Juni wurde er nur von Eferding (1,7 Prozent) knapp auf Platz zwei (mit 1,8 Prozent) verdrängt. Österreichweit lag die Arbeitslosenquote Ende Juni bei 5,9 Prozent.Hans Hartl, Leiter des Arbeitsmarkservice (AMS) Rohrbach, führt den Erfolg vor allem auf die konsequente Verfolgung der Geschäfts- und Qualitätsziele zurück. Seit der Ausgliederung des AMS 1994 sind für jeden Arbeitsmarktbezirk vereinbarte Ziele umzusetzen. Dabei bedient das AMS zwei Kundengruppen: Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Besonders stolz ist das AMS Rohrbach auf die Abgangsgeschwindigkeit: Im ersten Quartal 2003 konnten drei Viertel der Arbeitssuchenden innerhalb von drei Monaten vermittelt werden. Das AMS ist auch Ansprechpartner für Jugendliche, die an der Maßnahme „Countdown“ interessiert sind.


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