24 Menschen sind bei der Caritas für Menschen mit Behinderungen CMB von Kündigung betroffen. Denn drei Einrichtungen sperren im Laufe der nächsten Monate ihre Küchen. Sie werden im Rahmen der Stiftungsküche „viva cantina“ zusammengeführt.
Es ist eine bittere Kost, die die Caritas den Küchenmitarbeiterinnen und -mitarbeitern von St. Elisabeth (Linz), St. Isidor (Leonding) und der Abteilung Hör- und Sehbildung (Linz) serviert. Kostengründe sind dafür verantwortlich, doch nicht nur. Jährlich erwartet die Geschäftsführerin der CMB Caritas für Menschen mit Behinderungen, Maria Homm, Einsparungen von 150.000 Euro. Eine Großküche – „viva cantina“– ist die Lösung. Seit einem Jahr wird der Betrieb für diese Aufgaben aufgebaut. Erste Erfahrungen konnte er schon als Caterer (Zulieferer) des Petrinums sammeln. Ein Teil des Personals der Küchen, die nun zusperren müssen, wird von dieser Großküche übernommen. Aber nicht alle. Die neue Küche gehört nicht mehr zur Caritas für Menschen mit Behinderungen, sondern zur caritasnahen Stiftung St. Severin. Eine der beiden Stiftungs-Geschäftsführer ist Maria Homm. Sie steht damit auf beiden Seiten: auf Seiten der zu schließenden Küchen und des übernehmenden Betriebs.
Ackerl überlegt noch
Hans Hackl vom Büro Landesrat Ackerl bestätigt, was Maria Homm im Gespräch mit der Kirchenzeitung anspricht: Die vorgesehene Küchenlösung braucht erst die Zustimmung des Soziallandesrates Josef Ackerl. Dieser überlegt noch und wird sich im August entscheiden. Das Problem ist, so Hackl, dass die Caritas alles in die Stiftung auslagert, was gewinnträchtig ist. Die anderen Bereiche sind dann finanzierungsbedürftiger und wenden sich stärker an das Sozialressort, so die Sorge.
Verändertes Verständnis
In der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen hat sich einiges verändert, argumentiert Homm. Ausfluss dieses neuen Verständnisses von Behindertenarbeit ist die allmähliche Teilung großer Behinderteneinrichtungen in kleinere dezentrale Einheiten. Behinderte Menschen können so besser gefördert werden, ihre Integration gelingt leichter. Auf die Caritas mit ihren großen Behinderten-Einrichtungen übt diese politische Weichenstellung natürlich Einfluss aus. Auch pädagogisch denkt man um. Das Essen zum Beispiel nicht jedesmal bereit gestellt zu bekommen, sondern manchmal selbst in der Gruppe zu kochen, unterstützt das Integrationsziel. Das aber braucht flexiblere Lösungen, sagt Maria Homm. Ein Küchen-Caterer könne sich darauf viel besser einstellen, als Instituts-Küchen.
Werben um Kunden
„Viva cantina“ bewegt sich auf dem freien Markt und will auch Kunden außerhalb der Kirche. Neben den drei nun bald küchenlosen Caritas-Einrichtungen wird „viva cantina“ schon im Herbst 2003 in einem vierten Betrieb für die Verpflegung sorgen. Zunächst werden knapp 800 Menschen mit Essen und Getränken versorgt. Ab Jänner 2004, wenn die Küche der Abteilung Hör- und Sehbildung schließt, kommen weitere 250 dazu. Das Ziel für 2006: 5000 Essen!
Küche in St. Elisabeth
Die „viva cantina“-Küche wird in St. Elisabeth eingerichtet. Die bisherige Küche dort hatte auch eine Integrationsaufgabe. Menschen mit Behinderungen werden in St. Elisabeth durch Flächenausbildungen (Wäscherei, Reinigung, Küche) Chancen eröffnet. Die Nachbarschaft des Seniorenwohnheims St. Anna wirkt zudem positiv. Kontakte entstehen, etwa wenn Menschen aus St. Elisabeth den Bewohner/innen von St. Anna das Essen bringen. Dieses Zusammenwirken ist nicht in Gefahr, sagt Homm und auch Hackl schätzt das so ein. Homm sieht durch den größeren Wirkungskreis der Küche sogar Möglichkeiten zu Praktikumsplätzen außerhalb von St. Elisabeth.