Seien es die Benes-Dekrete oder Temelin: Tschechien kommt nicht aus den Schlagzeilen. Was aber wissen wir über die Geschichte unserer Nachbarn? In der Reihe Ost- und Südosteuropa – Geschichte der Länder und Völker erschien ein Band über Tschechien. Der Autor Markus Mauritz legt darin einen geschichtlichen Überblick über die Landesgeschichte Böhmen und Mährens vor. Im Mittelpunkt stehen das 19. Jahrhundert ab der Revolution 1848 und das 20. Jahrhundert. Hier behandelt Mauritz die Entstehung der Tschechoslowakei nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie, die Problematik der sudetendeutschen Minderheit, die Jahre unter deutscher Herrschaft und die unmittelbare Nachkriegszeit mit der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung und den heute so aktuellen Benes-Dekreten. Aber der Autor schildert auch sehr ausführlich das sozialistiche Regime ab 1948, den „Prager Frühling“ 1968 und den Weg in die samtene Revolution, die so eng mit dem Namen Václav Havel verbunden ist. Selbst die jüngste Vergangenheit, wie die Trennung von der Slowakei, wird noch behandelt. Mauritz hat eine historisch ausgewogene, gut verständliche und stilistisch ansprechende geschichtliche Darstellung geschrieben. Gerade die heiklen Themen geht er ruhig, behutsam und den Tatsachen verpflichtet an. Bücher wie dieses sind wichtig, denn nichts hilft besser im Kampf gegen althergebrachte Vorurteile als profunde historische Information. Ein lesenswertes Buch!
Markus Mauritz: Tschechien. Ost- und Südosteuropa: Geschichte der Länder und Völker. ISBN 3-7917-1769-3, Pustet Verlag, Regensburg 2002, Preis E 25,60.