Die Stadtpfarre Linz kann ihr barockes Geläute derzeit nicht benutzen
Ausgabe: 2003/33
13.08.2003
- Heinz Niederleitner
Die Stadtpfarrkirche Linz hat den dritthöchsten Turm in Oberösterreich. Doch die Schwingungen der schweren Glocken sind schlecht für ihn.
Es ist ein schneller Aufstieg. Robert Staudinger, Chorleiter und Mesner hat es vorausgesagt: Mit den steilen Stufen ist der 84 Meter hohe Turm schnell erklommen. Durch eine enge Wendeltreppe gelangt man in den Turmschacht, dann geht es Stock um Stock auf Holzstiegen weiter in die Glockenstube. Dort hängt ein kostbares barockes Geläut. Alle sechs Glocken haben diverse Abnahmen in Kriegen überstanden. So blieb das ganze Geläut mit seiner Harmonie erhalten.
Harmonie gestört
Doch diese Harmonie ist derzeit gestört. Im Zuge des Orgelbaus traten Risse zu Tage, verursacht durch die Schwingungen der beiden größten Glocken. Seitdem dürfen diese nicht geläutet werden. Das fällt auch den Anrainern auf: „Es hat schon Anrufe gegeben, was mit dem Geläute sei“, berichtet Pfarrassistent Mag. Herbert Unger. Die „Kaiserin“ läutet jeden Freitag um 15 Uhr (zur Erinnerung an Jesu Tod am Kreuz). Diese Tradition muss zur Schonung des Turmes entfallen, früher war dafür der Türmer verantwortlich.
Türmerstube verwaist
Türmer gibt es schon lange nicht mehr, die Türmerstube über dem Geläute ist verwaist, der Ofen für die Tag und Nacht nach Feuer in der Stadt Suchenden ist erkaltet. „Achtung, stoßen Sie sich nicht den Kopf.“ Der Aufstieg in das Zwiebeldach wird enger und verlangt Wendigkeit. Aus den Stiegen sind Leitern geworden. Plötzlich öffnet Robert Staudinger die Luke. Über uns ist nur noch das „Hütchen“ des Daches. Blickt man Richtung Norden, hat man eine einmalige Aussicht nach Urfahr, gegen Westen thront das Schloss über der Altstadt und dem Hauptplatz, im Süden steht in unmittelbarer Nähe der Alte Dom. Der Osten offenbart einen Blick Richtung Steyregg, in der Tiefe wölbt sich das Ziegeldach über das Kirchenschiff und die Orgel direkt darunter.
Für das 2002 fertig gestellte Instrument hat die Stadtpfarre erhebliche Mittel aufgebracht. Die Turmsanierung und das notwendige Umhängen der großen Glocken quer zum Rest des Geläutes wird rund 261.000 Euro kosten – Geld, das die Pfarre derzeit nicht hat. Mit Land Oberösterreich, Stadt und Diözese Linz ist man wegen der Förderungen in Verhandlung, doch einen großen Teil des Geldes wird die Pfarre selbst aufbringen müssen. Die Finanzierung liegt noch im Dunkeln.
Dunkel sind auch die Hände nach dem Abstieg. Im 1435 erbauten Turm hat sich der Staub der Jahrhunderte gesammelt. Hoch über ihm zieht der Turmfalke in Ruhe seine Kreise. Es ist eine Ruhe, die derzeit kein vollständiges barockes Geläute unterbricht.
Informationen zur Unterstützung der Stadtpfarre unter Tel. 0732/776 20.