Oberösterreich ist das einzige Bundesland, in dem die „Überleitungspflege“ zum Pflegestandard gehört. Vor allem ältere Patientinnen und Patienten profitieren von diesem Angebot.
Kardinal Franz König zog sich vor einigen Wochen bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zu. Er ist mittlerweile wieder – wenn auch mit Krücken – auf den Beinen. Unfälle wie diese können bedrohlich sein für ältere Menschen. Vor allem wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden, stellt sich für viele die Frage: Wie komme ich mit dieser neuen Situation zurecht?
Anders liegt der Fall bei Frau Hermine K. (75). Sie wurde mit einer Morgeninkontinenz ins Krankenhaus eingewiesen. Bei einem gründlichen Gesundheitscheck konnte keine Ursache gefunden werden – und vor allem waren die Beschwerden im Krankenhaus wie weggeblasen.
Lösungen suchen
Eine „Überleitungskrankenschwester“ machte darauf einen Hausbesuch bei Frau K. Schnell fand sie die Ursache für die morgendlichen Beschwerden. Die alte Dame hatte einen sehr hohen, antiken Bettkasten und dadurch Schwierigkeiten aufzustehen, durch die anstrengende Prozedur passierte es dann eben. Die Lösung: Ein neues, modernes Bett wurde angeschafft.
Hinter dem sperrigen Begriff der Überleitungspflege verbirgt sich ein sehr einfaches, aber auch sehr effektives System. Speziell ausgebildete Krankenschwestern helfen den Patient/innen beim Wechsel vom Spital nach Hause. So wird schon vor der Entlassung mit den Angehörigen besprochen, welche Hilfsmittel benötigt werden, damit die Pflege im eigenen Heim fortgesetzt werden kann. Beispielsweise kann nach einer Hüftoperation eine Sitzerhöhung bei der Toilette notwendig werden. Andere Patient/innen brauchen einfach Informationen über Vereine, die Hauskrankenpflege oder Hospizleistungen anbieten.
Mit „Sehr gut“ beurteilt
Eine Studie über die Erfahrungen mit der noch relativ neuen Überleitungspflege brachte folgendes Ergebnis: 83,3 Prozent beurteilten die Überleitungspflege als „sehr gut“. 52,7 Prozent gaben an, dass sie ohne diese Hilfe die Entlassung aus dem Krankenhaus nicht bewältigt hätten. Überleitungspflege gibt den Betroffenen und Angehörigen Sicherheit in einer Situation, die für viele mit etlichen Fragezeichen versehen ist: Wie schaffe ich das alleine zu Hause? Werden meine Angehörigen mit mir und meiner Krankheit zurecht kommen?
„Es ist oft ein Grenzgang zwischen Therapie und Seelsorge, vor allem wenn es Konflikte mit Familienangehörigen gibt“, erzählt Christine Ferrari, Diplomkrankenschwester und Fachschwester für Überleitungspflege im Linzer Diakonissenkrankenhaus.
Kosten senken
„Bei jenen Spitälern, die bereits ausreichend Erfahrung mit der Überleitungspflege haben, konnte generell eine deutliche Qualitätsverbesserung im Entlassungsmanagement festgestellt werden“, sagt Gesundheits- und Spitalslandesrätin Dr. Silvia Stöger. Die Landesrätin unterstützte die Einführung der Überleitungspflege und initiierte einen eigenen Ausbildungslehrgang.
Ziel ist es, für die Patient/innen ein maßgeschneidertes Netzwerk der Hilfe zur Selbsthilfe zur Verfügung zu stellen. Auf lange Sicht erwartet sich die Gesundheitslandesrätin eine Senkung der Kosten im Spitalswesen.
Im Jahr 2000 kamen rund 13.000 Patienten innerhalb von nur einer Woche und weitere rund 7.000 Patienten innerhalb von nur zwei Wochen nach ihrer Spitalsentlassung wieder ins Krankenhaus. Dadurch entstanden in den Spitälern Kosten von rund 60 Millionen Euro. „Wenn es gelingt, durch die Überleitungspflege nur zehn Prozent dieser 20.000 Wiederaufnahmen unnötig zu machen, können jährlich rund 27 Millionen Euro eingespart werden“, verweist Landesrätin Dr. Stöger auch auf den kostendämpfenden Effekt dieser Betreuungsmaßnahme.
Die Überleitungspflege könne in diesem Bereich nicht nur zu einer Kostenersparnis führen, sondern auch zu mehr Lebens- und Genesungsqualität der Betroffenen beitragen.
Sonja Frank/Elisabeth Leitner
Hinweis: Im September startet in Linz der nächste „Lehrgang für Überleitungspflege“, Tel. Land OÖ: 0732/77 20-111 29 oder Institut für Bildung im Gesundheitsdienst, Tel. 07249/428 88.