Der Name Adolf ist bei Adolf Breuer kein Indiz auf die Nazi-Sympathie seiner Eltern. Er hat ihn von seinem Vater „geerbt“, und der wurde bereits nach dem Großvater so benannt. In der Zeit des Nationalsozialismus hat ihm nicht einmal die Namensgleichheit mit dem „Führer“ geholfen – dafür waren seine Haare zu gelockt und den Ruf als Muttersöhnchen hat er nie ablegen können. 1930 geboren, kann sich Adolf Breuer an diese unsägliche Zeit gut erinnern. Er erzählt aber nicht nur seine eigene Geschichte, sondern beschreibt auch die Stimmung in Schärding vor und zur Zeit des Anschlusses und danach. Die Geschichte des Adolf ist sehr abenteuerlich. Er erzählt von seinem Stolz bei der Angelobung zum Pimpf, der schnell der Enttäuschung weicht, schließlich von der Zeit bei der Hitlerjugend bis zur Einberufung. Er sollte zum Kurier ausgebildet werden, doch in Kriegszeiten ist diese Ausbildung für ihn unbefriedigend. Geprägt hat ihn das Erleben von KZ-Häftlingen, die er und seine Kameraden bewaffnet bewachen mussten. In seiner Gutmütigkeit bringt er sich selbst in Lebensgefahr. Vor der Vereidigung zum Soldaten in den letzten Kriegstagen flieht der 15-Jährige.
Adolf Breuer zeichnet ein eindrucksvolles Bild jener Zeit. Selbstverständlich stehen seine eigenen Eindrücke im Mittelpunkt, darüber hinaus beschreibt er aber auch das Umfeld, in dem er aufgewachsen ist, und wie andere Kinder und Jugendliche reagiert haben. Der Beginn des Buches ist ein wenig mühsam, weil die Familiengeschichte lang dargestellt wird, bis Breuer zum eigentlichen Kern kommt.
Adolf Breuer: Der Ausreißer. Hitlerjunge wider Willen, Verlag Steinmaßl, Geschichte der Heimat, Euro 12,90.