Bei der Wiedervereinigung der Nord- und Südtiroler Franziskanerprovinz im November 2001 haben sich die Minderbrüder einen Patron gewählt, der außerhalb des Ordens so gut wie unbekannt ist: den seligen P. Engel-bert Kolland. P. Engelbert ist 1860 in Damaskus als Martyrer gestorben. Eine Biographie macht nun das Wirken dieses herausragenden Seelsorgers einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
1827 in Ramsau (Zillertal) geboren, tritt er 1847 bei den Franziskanern ein, wo man bald auf seine Sprachenbegabung aufmerksam wird: Er lernt acht Fremdsprachen, darunter auch Arabisch. Er stellt sich dem Provinzial als Missionar zur Verfügung und wird in die Kustodie des Heiligen Landes gesandt. Nach einer kurzen Zeit im Kloster der Grabeskirche kommt er im Juni 1855 nach Damaskus in die Pauluspfarrei. Da er als Einziger von den Patres arabisch spricht, übernimmt er von Anfang an – de facto – das Amt eines Pfarrers. Bei den rund 220 lateinischen Christen in der Altstadt von Damaskus ist der Tiroler Pater bald sehr beliebt. Unermüdlich ist er für seine kleine Schar im Einsatz. Auch die Ordensoberen schätzen sein Wirken und berufen ihn in den Provinzrat nach Jerusalem. Doch sollte er seine neue Aufgabe nicht mehr übernehmen können. Im Zuge eines Pogroms gegen die Christen im Libanon und in Syrien werden er und sieben Mitbrüder im Juli 1860 erschlagen. In Damaskus insgesamt rund 8.500 Christen.
Das sehr lesenwerte Buch stiftet einen zweifachen Nutzen: Es erinnert an einen beeindruckenden Christen und lenkt den Blick auf die aktuelle Situation der christlichen Minderheiten im Nahen Osten.
P. Gottfried Egger, Mein Gott und mein Alles. Leben und Martyrium des Tiroler Franziskaners Engelbert Kolland, Edition Geschichte der Heimat, 161 Seiten, Euro 17,95.