Das Linzer Parade-Unternehmen VOEST ist seit Wochen in Diskussion.
Foto: Franz M. Glaser
„Jede andere Absicherung als die durch den Staat ist eine schlechtere Absicherung“, betont VOEST-Pfarrer Rupert Granegger im Gespräch mit der KIZ: „Ich vertraue hier dem Land weniger als dem Bund.“
Warum engagieren Sie sich so vehement gegen den Verkauf der VOEST?
Granegger: In der Privatisierung der VOEST zeigt sich ein neoliberaler Geist, der zutiefst der katholischen Soziallehre widerspricht. Je mehr privatisiert wird, desto mehr wird von Arm auf Reich umverteilt. Die VOEST ist ein Rädchen in diesen Vorgängen, das ist ein umfassender Prozess in unserem Land. Wenn die Bundesregierung eine Wertediskussion führen möchte, dann sollten wir über die Frage reden, was wir in den Mittelpunkt stellen: den Menschen oder das Kapital. Es geht in der Diskussion nur mehr um das Geld und das kotzt mich an.
Sie gehörten zum Proponentenkomitee, das zur Menschenkette aufrief, die von der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter veranstaltet wurde ...
Granegger: Vereinnahmungen können immer geschehen, ich suche für meine Arbeit Allianzen, wo der Mensch im Mittelpunkt steht. Das finde ich zur Zeit mehr bei den Oppositionsparteien als bei den Regierungsparteien. Als Priester halte ich selbstverständlich den gleichen Abstand zu allen Parteien. Dass es in Sachfragen aber zur Zusammenarbeit kommt, ist für mich legitim.
Wie geht es nach dem endgültigen Beschluss, die VOEST zu verkaufen, weiter?
Granegger: Nachdem die Arbeiter gemeinsam mit dem Management in den letzten Jahren mit großem persönlichem Einsatz den Betrieb hochgepäppelt haben, ist der Verkauf wie eine Watschn ins G’sicht. In der Christlichen Betriebsgemeinde VOEST wird die Arbeit an den wichtigen gesellschaftspolitischen Themen natürlich weitergehen. Dazu gehört der Widerstand gegen die Privatisierung von Grundbedürfnissen wie Trinkwasser, Bildung und mehr.
Werden Sie nun selbst VOEST-Aktien kaufen?
Granegger: „Womit denn? – Die Frage stellt sich für mich nicht, genauso wenig, wie sie sich für einen Großteil der Oberösterreicher und Oberösterreicherinnen nicht stellt. Unter den Leuten, die ich kenne, sind viele Häuslbauer oder Alleinverdiener – da kann keiner groß einsteigen. So sehr ich dafür bin, dass die Bewohner/innen unseres Landes Aktien kaufen können, steckt doch blanker Zynismus hinter dieser Aufforderung.
Dass es eine garantierte Beteiligung der VOEST-Mitarbeiter/innen gibt, halte ich aber für eine kluge Entscheidung der Betriebsräte und des Managements.
Interview: Josef Wallner
Die Katholische Arbeitnehmer/innen-Bewegung (KAB) hat zur Teilnahme an der Menschenkette gegen die Privatisierung der VOEST aufgerufen. Foto: KAB
ZUR SACHE
Kirche und Wahlkampf
„Während andere demonstriert haben, habe ich mit oberösterreichischen Investoren verhandelt“, macht Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer deutlich. Und er präsentiert das Ergebnis seiner – wie er betont – nicht einfachen Gespräche: Die Oberbank und die Raiffeisengruppe werden per Vertrag dem Land OÖ ein Vorkaufsrecht ihrer Aktienpakete einräumen. Gemeinsam mit dem Aktienpaket der VOEST-Belegschaft werden die beiden Banken die geforderte Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie erreichen. Weiters wird sich das Land OÖ um Anteile bemühen. „Wir werden die VOEST oberösterreichischer machen, als sie je gewesen ist“, hofft Pühringer auf die Zustimmung über alle Parteigrenzen hinweg.
Zum Aufruf von KAB und Christlicher Betriebsgemeinde VOEST, an der Menschenkette teilzunehmen, die von den sozialdemokratischen Gewerkschaftern organisiert wurde, meint Pühringer: „Drei Wochen vor der Wahl nehme ich dazu keine Stellung. Ich möchte absolut keine Auseinandersetzung mit der Kirche. Für mich halte ich es so: Ich habe es nicht notwendig, mich bei der Fronleichnamsprozession fotografieren zu lassen. Ich gebrauche auch nicht Aussagen des Bischofs für meinen Wahlkampf.“ (Die SPÖ Linz übernahm ein Kirchenzeitungsinterview mit Bischof Aichern in einer ihrer Aussendungen über den Verkauf der VOEST).