Welche Vorstellung vom Wähler und von der Wählerin haben Politiker/innen? Was lässt sie so wahlwerben wie sie wahlwerben?
Wahlwerbende Politiker sind nicht zimperlich. Von Verrat an Oberösterreich ist die Rede. Dass jemand nichts zu bieten hat außer den eiskalten Ausverkauf. Pensionen werden geraubt, das Gesundheitssystem zerstört und Versprechungen andauernd gebrochen. Andere Politiker sind miserabel, haben puren Zynismus, erpressen das Volk oder unternehmen einen plumpen Versuch der Volksverdummung...
Starker Tobak. Denken Politiker wirklich, dass das der Ton ist, der Wählern gefällt? Und denken sie wirklich, dass es genügt, total zu überzeichnen, etwa zu sagen, der andere wolle, dass alles in Wien entschieden werde...?
Geistige Grenzzieher
Der frühere Journalist Georg Hofbauer führt in Linz die gmh PR-Agentur. Er findet, dass durch das überdimensionale Schwerpunktthema VOEST der oberösterreichische Wahlkampf national und chauvinistisch geführt werde, was schon über die Schmerzgrenze hinausgehe. In einer Zeit, in der Europa zusammenwächst, so wundert er sich, stecken unsere Politiker rund um unser Bundesland geistige Grenzen. Er findet den Wahlkampf kleinkrämerisch, provinziell. „Die Wähler werden unterschätzt!“ Denkende Menschen würden vergrault.
Besser fürs Gedächtnis
Dr. Roland Pelzl, Geschäftsführer der VALUE Communications, eine PR-Agentur der Caritas-Stiftung, meint, der Wahlkampf will spontane Wähler ansprechen. Provokationen bleiben im Gedächtnis besser haften.
Und die Politiker? – Landesparteisekretär Mag. Michael Strugl von der ÖVP findet die Anmerkung Hofbauers interessant, dass sich der europäische Mantel, den man gerne trage, nicht mit dem chauvinistischen VOEST-Wahlkampf vertrage. „Ich glaube trotzdem, dass es gut ist, viele Aktien in Oberösterreich zu halten. Ausländische Investoren seien heute schon Realität der VOEST (1/3).
„Knappe Beantwortung“
Es gibt keine Wahl, Verkürzungen sind notwendig, sagt der Landesparteisekreträr der FPÖ, Dr. Klaus Nittmann. Auch wir, die Kirchenzeitung, haben „um eine knapppe Beantwortung“ gebeten: „Da befinden wir uns mitten in der Problematik: In Rahmenbedingungen, die einen erschöpfenden Diskurs nicht zulassen, rufen Stellungnahmen hervor, die zwangsläufig holzschnittartig bleiben müssen.“ Menschen sollen erreicht werden, die selbst in hektischen Lebensumständen sind. Da sei es keine Geringschätzung der Wähler, wenn Politiker ihre Botschaften verkürzen. Die Würde anderer ist unantastbar.Ähnlich argumentiert auch Mag. Strugl: Die Wähler sind heute mit einer Flut an Informationen konfrontiert. Es kommt der mit seiner Botschaft durch, der die verständlichere Information hat.
Keine Diffamierung
Gottfried Hirz, Geschäftsführer der GRÜNEN OÖ, erläutert die GRÜNE Wahlwerbung: „Wir setzen auf Dialog.“ Dabei sollen die Zukunftskonzepte vorgestellt werden. Diffamierende Wahlwerbung gegenüber politischen Mitbewerber/innen sei nicht ihr Stil. Die Wähler/innen hinterfragen die Angebote der Parteien.
Während wir zum Stil der Wahlwerbung recherchierten, tauchte eine Internetseite mit herabwürdigendem Inhalt gegen Landeshauptmann Dr. Pühringer auf. Die ÖVP zeigte an. Die SPÖ distanzierte sich. Eine private Entgleisung sei es gewesen.
Junge Politiker/innen
Politischer Wettbewerb sollte nie aggressiv und verletzend geführt werden, sagt der Landesobmann der Jungen ÖVP, Mag. Bernhard Baier. Er ist wie Jasmine Chansri bei der SPÖ, Jugendkandidat seiner Partei. Chansri will vor allem Erstwähler/innen ansprechen. „Gerade in diesen Zeiten sind junge Menschen unter anderem durch Pensionsraub, Studiengebühren und steigende Jugendarbeitslosigkeit zunehmend verunsichert und haben das Vertrauen in die Politik verloren“, sagt sie. Zum Stil der Wahlwerbung nimmt sie nicht Stellung.