Um 25 Prozent hat der Staat die Fördermittel für die Erwachsenenbildung heuer gekürzt. Weihbischof Krätzl nennt das „unverantwortlich“.
Vergangene Woche schlugen die zehn größten Erwachsenenbildungseinrichtungen Alarm. „Nachdem bisher alle Gespräche ergebnislos verlaufen sind, bleibt uns nur noch der öffentliche Aufschrei“, sagt der Vorsitzende der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs, Hubert Petrasch. Das Fass zum Überlaufen brachte die Mitteilung des Bildungsministeriums von Mitte August, wonach die Personalsubventionen rückwirkend mit 1. Jänner um 20 Prozent gekürzt werden. „Das bringt die Budgetplanungen vieler Bildungseinrichtungen durcheinander und trifft uns wirklich am Nerv. Denn die pädagogischen Mitarbeiter, um die es hier geht, sind nicht selten das Rückgrat, die die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen draußen in den Gemeinden und Pfarren erst ermöglichen “, betont Petrasch.
Angebot in Gefahr
Vor zehn Jahren hat der Bund mit den Erwachsenenbildungseinrichtungen vereinbart, dass er zur Förderung ihrer Arbeit 400 pädagogische Mitarbeiter/-innen mitfinanzieren wird. Zu Beginn betrug der Bundeszuschuss pro Mitarbeiter/-in 23.255 Euro im Jahr. Das entsprach ungefähr dem Anfangsgehalt einer pädagogischen Fachkraft. In den letzten Jahren wurden die Personalsubventionen ständig gekürzt. Heuer will das Bildungsministerum nur mehr 14.856 Euro zuschießen. „Das reicht nicht einmal mehr für die halben Lohnkosten“, rechnet Petrasch vor. Die ersten Entlassungen und Kürzungen der Arbeitsverträge wurden bereits ausgesprochen. „Dabei geht es nicht nur um Jobs wertvoller Mitarbeiter/-innen, sondern auch darum, ob wir etwa als Katholisches Bildungswerk oder als Volkshochschule weiterhin ein breites und für alle erschwingliches Angebot machen können“, betont Petrasch. „Diese Politik des Bildungsministeriums zwingt uns, trotz steigender Nachfrage unsere Angebote zu kürzen oder die Kursgebühren zu erhöhen. Eine Studie der Volkshochschulen belegt, dass die gestiegenen Kursgebühren der letzten Jahre bereits dazu geführt haben, dass Menschen vom Bildungsangebot ausgeschlossen werden.“
Österreich hinkt nach
Der für die kirchliche Erwachsenenbildung zuständige Weihbischof Helmut Krätzl spricht von einem „unverantwortlichen Vorgehen“ des Bundes. „Bei allen notwendigen Sparmaßnahmen ist zu beachten, dass gerade Kürzungen im Bildungssektor den Menschen in seiner existentiellen Entfaltung besonders treffen können.“ Gerade in einer Zeit, wo lebenslanges Lernen gefordert sei und Menschen schnell auf das Abstellgeleise geraten, wenn sie daran nicht teilhaben können, seien die Kürzungen für die Erwachsenenbildung dramatisch. Und Krätzl weiß, wovon er spricht. In den letzten fünf Jahren sind die Bundesmittel für die Erwachsenenbildung um mehr als ein Drittel von 14,1 auf 9,1 Millionen Euro zurückgegangen. Sie betragen nur mehr 0,11 Prozent des gesamten Bildungsbudgets (8,2 Mrd. Euro). In Finnland werden 14 Prozent für Erwachsenenbildung ausgegeben. Sowohl die OECD als auch der Rechnungshof wiesen in den letzten Jahren darauf hin, dass Österreich in der Finanzierung der lebensbegleitenden Weiterbildung deutlich nachhinkt. Wie Österreich dem EU-Ziel, bis 1010 der wettbewerbs- fähigste wissensbasierte Wirtschaftsraum zu werden, entsprechen will, kann heute niemand sagen. Es fehlen sowohl eine politische Strategie zur Förderung des lebensbegleitenden Lernens als auch die notwendigen Fördermittel. „Das Grundproblem ist, dass es zwar ein Erwachsenenbildungsförderungsgesetz gibt, aber keine gesetzlichen Finanzierungsvorgaben. Sie liegen im Ermessen der Regierung“, meint Petrasch.
Nichts wert?
Zur Sache
In der Diözese Feldkirch sind sowohl das Katholische Bildungswerk als auch die Bildungshäuser St. Arbogast und Batschuns von den Kürzungen des Bundes doppelt betroffen. Sie beschäftigen jeweils eine vom Bund mitfinanzierte pädagogische Kraft und bekommen um 25 Prozent weniger Sachmittel. „Bei dem schmalen Sach- und Personalbudget, das wir haben, treffen uns die Kürzungen des Bundes ziemlich hart“, meint der Leiter des Katholischen Bildungswerkes Walter Schmolly. „Wir sind froh, dass wenigstens die Landessubventionen nicht auch gekürzt wurden. Sie wurden aber auch nicht mehr.“ Insgesamt nehme der Kostendruck zu, meint Schmolly. „Wir können die steigenden Kosten aber nur sehr begrenzt weitergeben, wenn unser Angebot für alle Interessierten erschwinglich bleiben soll. Mit unserem vielfältigen und ortsnahen Programm leisten wir einen wichtigen Beitrag in der Erwachsenenbildung. Das geht aber nur, wenn wir eine entsprechende Basisfinanzierung bekommen“, betont Schmolly. „Wir haben viele gute Ideen und eine große Zahl engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter/-innen in den Pfarren, können aber aus Kostengründen längst nicht alles umsetzen, was möglich und notwendig wäre.“Anna Fink von St. Arbogast und Christian Kopf vom Bildungshaus Batschuns bedauern, dass durch die laufenden Kürzungen vor allem die Persönlichkeitsbildung auf der Strecke bleibt. Heute werde zu Recht immer lauter nach sozialen Kompetenzen wie Team- und Kommunikationsfähigkeit gerufen oder die Notwendigkeit der Elternbildung betont. Geld dafür aber gebe es immer weniger, um das auch Normalverbrauchern anbieten zu können.