„Mir taugt, dass ich jetzt so flexibel bin“, zollt Regina Dolezal, Mutter eines schwerbehinderten Mädchens, der „Mobilen Begleitung“ Lob. Gleiches sagt Silvia Bernacki, die auf fremde Hilfe angewiesen ist, über die „Persönliche Assistenz“.
Regina Dolezal, Mutter einer sechsjährigen Schulanfängerin und einer neunjährigen Tochter mit schwerer spastischer Behinderung, ist voll des Lobes. Seit etwa einem Jahr nimmt sie die „Mobile Begleitung“ der Volkshilfe Steyr fünf Stunden in der Woche, montags und donnerstags, in Anspruch.
Mobile Begleitung
„Mir taugt, dass ich jetzt so flexibel bin.“ Frau Dolezal ist an zwei Tagen in der Woche berufstätig. Alle Betreuungspflichten mit den beruflichen Notwendigkeiten der Eltern, aber auch mit den bescheidenen Wünschen nach freier Zeit unter einen Hut zu bringen, war immer stressig. Stressig, auch wenn die Großeltern viel mithelfen und sich Magdalena und ihre Freundinnen sehr um Stephanie annehmen. Diese ist auch mit großer Freude bei den Aktivitäten ihrer Schwester dabei. Nun ist alles leichter, einfacher. „Donnerstag ist jetzt mein Tag“, stressfrei, flexibel. Dank der Mobilen Begleitung!
Familie Dolezal lebt in Hofkirchen. Das ist ein Glück, denn St. Florian etwa, wenige Kilometer entfernt, fällt nicht mehr in das Gebiet der Volkshilfe Steyr Land. In Linz Land aber gibt es ein ähnliches Angebot noch nicht.
Ein gemeinsames Anliegen
Fünf Organisationen – CONDOR, SLI (Selbstbestimmt Leben Initiative Linz), das ARCUS Sozialnetzwerk im Oberen Mühlviertel, die Volkshilfe Oberösterreich und die Miteinander GmbH, haben bei einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Lanze für die mobilen Dienste gebrochen. Sie sind das Um und Auf, sollte der „Paradigmenwechsel“ gelingen, für den Landesrat Josef Ackerl so intensiv die politische Werbetrommel rührt und die Gesetze anpasst: Weniger Heim, mehr daheim!
Persönliche Assistenz
Der Verein CONDOR (Solidaritätspreisträger der Kirchenzeitung) vermittelt im Jahr etwa 36.000 Stunden persönliche Assistenz. 100 Betreuer/innen stehen dafür landesweit für 70 behinderte Menschen zur Verfügung. Der Bedarf ist höher; Geschäftsführer Günther Breitfuß schätzt ihn auf 58.000 Assistenzstunden. Der im neuen Chancengleichheitsgesetz festgelegte Rechtsanspruch auf persönliche Assistenz werde nur dann für alle Realität werden, wenn es zu einem massiven Ausbau der mobilen Dienste kommt“, sagt Breitfuß. Derzeit sind für Pflege und Betreuung (ambulant und mobil) 1,1 Prozent der Ausgaben in der Behindertenhilfe vorgesehen.
Freiheit
Silvia Bernacki aus Rohrbach nimmt persönliche Assistenz in Anspruch. Wegen einer Muskelerkrankung braucht sie für fast jeden Handgriff fremde Hilfe. „Persönliche Assistenz bedeutet für mich Freiheit. Die Freiheit, dort leben zu können, wo ich leben möchte... Mein Leben ist mit den persönlichen Assistenten immens leichter geworden...“
Für Stephanie Dolezal und ihre Mutter hat die mobile Begleitung durch ausgebildetes Fachpersonal die gleiche Bedeutung wie die persönliche Assistenz für Silvia Bernacki: Sie gibt den betroffenen Menschen ein großes Stück Freiheit zurück. Freiheit, die für Menschen ohne Behinderung selbstverständlich ist.
Ernst Gansinger
ÜBERBLICK
Persönliche Assistenz
Wird seit zwei Jahren angeboten. Laienhelfer/ innen unterstützen körperbehinderte Menschen, die älter als sechs Jahre und nicht altersbedingt beeinträchtigt sind. Die behinderten Menschen sind Auftraggeber.
Mobile Begleitung
Wird erst in sieben von 18 Bezirken bzw. Statutarstädten angeboten. Mobile Begleitung können Kinder ab drei Jahren, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen, körperlichen oder mehrfachen Beeinträchtigungen in Anspruch nehmen, die im Familienverband leben bzw. einen eigenen Haushalt führen.