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Männer schauen auf sich

Das Wellness-Fieber bringt auch die Männer auf Vordermann
Ausgabe: 2003/39, Männer, Prostata, Wellness, Männergesundheit, Arzt, Gesundheitsvorsorge
23.09.2003
- Elisabeth Leitner
Fitnesswahn auf der einen Seite, Gesundheitsbewusstsein auf der anderen Seite. Dazwischen Männer um die 50, die schön langsam auf ihre Gesundheit achten und sich wehren als „Gesundheitsmuffel“ abgestempelt zu werden.

Der erste Linzer Männergesundheitstag wird im Vorfeld medial fleißig beworben. Ob es hilft? Ein Lokalaugenschein überrascht: Der Saal im Neuen Linzer Rathaus ist fast voll, vor den einzelnen Kontrollstationen für Blutdruck, Knochendichte, Lungenfunktion ... stehen die Menschen Schlange. Korrekterweise muss es hier hei-ßen: die Männer.

Wo sind sie, die Gesundheitsmuffeln, die Starken, die kein Lüftchen umweht, die sich erst dann, wenn sie nicht mehr davon laufen können, ins Rettungsauto hieven lassen? Hier sind sie nicht. So der erste Eindruck.

850 beim Gesundheitstest


850 Besucher – und einige Frauen – im durchschnittlichen Alter von 55 Jahren haben - sich auf den Weg nach Linz gemacht, um sich hier „durchchecken“ zu lassen und in Vorträgen über Prostataerkrankungen, Blasenprobleme, Darmkrebsvorsorge, Osteoporose, Ernährung und Stoffwechselerkrankungen, Herzinfarkt zu informieren. „Männer sind Vorsorgemuffel, aber es wird besser,“ stellt Walter Ullner, Organisator des Gesundheitstags fest. „Es braucht Be-wusstseinsarbeit. Frauen sind ihrer Gesundheit gegenüber wesentlich hellhöriger, wobei sie nicht nur auf ihre eigene Gesundheit achten, sondern auch auf die ihrer Familie.“

Frauen- und Männersache


Ullner, der auch das „Forum Prostata“ gegründet hat und selbst Urologe ist, beobachtet, dass meistens die Partnerinnen Untersuchungs-Termine für ihre Männer vereinbaren und auch im Wartezimmer mitzittern. Der Slogan „Männervorsorge ist auch Frauensache“ hat beim Linzer Männergesundheitstag so manchen Mann aufgeregt. „Ich bin selbst für meine Gesundheit verantwortlich, meine Frau muss mir nicht sagen, was ich zu tun habe“, war da etwa von einigen Teilnehmern zu hören. Ein Trend scheint sich abzuzeichnen: auch (starke) Männer achten mehr auf ihre Gesundheit. Warum? „Sie merken schön langsam, dass sie die Errungenschaften unserer Zeit noch länger genießen können. Es zahlt sich aus, gesund zu bleiben.“, hat Urologe Ullner eine mögliche Erklärung. Dass Indianer keinen Schmerz und Männer keine Gefühle kennen dürfen, auch davon scheint man(n) sich zu verabschieden. „Auch die Vorsorge bei Frauen - etwa einmal im Jahr zum Frauenarzt zu gehen - hat sich erst langsam entwickelt“, sieht Ullner Entwicklungsschancen bei den Männern. Mit der Initiative „Bleib im Leben“ sollen Männer motiviert werden, sich und ihren Körper ernster zu nehmen.

Dass Männer gut daran tun, mehr auf sich und ihre Gesundheit zu schauen, belegt folgendes Zahlenmaterial:

– Männer sterben um das 50. Lebensjahr wesentlich häufiger als Frauen und sie sterben um sechs Jahre früher.

– 70 Prozent der Männer um die 50 sind übergewichtig.

– Während die Krebshäufigkeit bei Männern nur um 10 % höher ist als bei Frauen, ist die Überlebensrate bei Frauen gleich um 50 % höher.

– Männer sind Vorsorgemuffel. 65 Prozent der Frauen gehen zur Gesundenuntersuchung, nur 38 Prozent der Männer tun dies ebenso.

– Zwar sind nur halb so viel Männer stationär im Spital, dafür doppelt so lang.

So mancher Mann weiß zwar, dass es um seine Gesundheit schlecht bestellt ist, – deshalb aber etwas unternehmen? „Für eine Untersuchung hab ich keine Zeit“, sagte auch der heute 66-jährige Ing. Gerhard Fellner als bei ihm Verdacht auf Prostatakrebs bestand. Erst im Jahr darauf war die Zeit reif für eine Untersuchung. Dann kam die Diagnose „Krebs“. „Jetzt ist es aus, dachte ich mir“, erzählt Fellner. Er hat sich damals für eine Strahlentherapie entschieden - und mit Männern, denen es ähnlich erging, eine Selbsthilfegruppe gegründet. „Wir sind eine Anlaufstelle für Leute, die dasselbe Problem haben.“ Denn am Stammtisch reden Männer (meist) nicht über ihre Blasen-probleme oder Prostataerkrankung.

Miteinander reden, einmal im Jahr zur Vorsorge-Untersuchung gehen ... - und was tut der Gesundheit sonst noch gut? „Bewegung, gesunde Ernährung, wenig Alkohol, kein Nikotin, Ruhepausen“, meint ein 46-jähriger Mühlviertler. Und Recht hat er.

Verein Forum - Prostata, Tel. 0732/77 83 71.
Das nächste Treffen der Selbsthilfegruppe „Prostata- und Hodenkrebs“ ist am 13. Oktober um 19 Uhr in der OÖGKK, Gruberstr. 22, Saal 804, www.prostatakrebse.at
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