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Engagement einzelner braucht Rückhalt vieler

„Ärzte ohne Grenzen“: Humanitärer Einsatz muss erleichtert werden
Ausgabe: 2003/39, Ärzte ohne Grenzen, Voitl, Hilfseinsätze, Ordensspitäler, Spital, Orden, Äthiopien, Barmherzige Schwestern
23.09.2003
- Ernst Gansinger
„Ärzte ohne Grenzen“ schlagen Alarm: Es melden sich zu wenig Ärzte und Ärztinnen, Hebammen und Krankenpfleger/innen für einen Einsatz in Krisen- und Notgebieten. Dem liegt allerdings kaum ein Mangel an Bereitschaft zu sozialem Engagement zugrunde, sondern die Sorge, einen Karriereknick zu erleiden.

Spitäler sind selten bereit, Rückkehrgarantien zu geben, geschweige denn zum Einsatz zu ermutigen: das Personal sei knapp, die finanzielle Decke kurz.

Ärzte ohne Grenzen, die in 80 Länder freiwillige Helfer/innen entsendet, und viele andere Hilfsorganisationen, vielmehr aber noch die Menschen in den Elendszonen dieser Welt, haben auszubaden, was die Wohlstandsgesellschaft an Bunkerdenken kultiviert.

Das Argument der Kosten liegt tonnenschwer auf dem Federgewicht Solidarität. Solidarische Menschen müssten daher auf immer mehr verzichten, weil die Gesellschaft kaum mehr verzichten will.




Grenzenlose Medizin


Aber: Einschränkende Regelungen stehen Hilfseinsätzen im Weg


Walter Voitl (Bild) ist der bisher einzige Freiwillige aus einem oö. Krankenhaus, der für seinen Einsatz bei „Ärzte ohne Grenzen“ von der Krankenhausleitung karenziert wurde. Das sollte besser werden!

Als diplomierter Krankenpfleger arbeitete Walter Voitl im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Er lernte 1998 die auf medizinische Hilfseinsätze in Krisen- und Armutsregionen der Welt spezialisierte Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ kennen und bewarb sich um einen Einsatz. Dieser führte ihn im September 2000 für sechs Monate nach Sierra Leone. Auf seinen Platz im Spital zurückkehren zu können, war ihm wichtig. Die Krankenhausleitung sicherte dies zu.

Rückkehr ermöglichen


Ein rarer Fall, was sich aber ändern soll, geht es nach „Ärzte ohne Grenzen“. Denn sie leiden unter Mangel an Freiwilligen. Ein Mangel, der wesentlich darin begründet ist, dass es in Österreich solche Rückkehrgarantien nur selten gibt. Ärzte riskieren ihr weiteres berufliches Fortkommen, wenn sie vorübergehend für einen humanitären Einsatz ins Ausland gehen. Anderswo wissen es Spitäler zu schätzen, mit welchem Zuwachs an Erfahrungen ihre Leute von Auslandseinsätzen zurückkehren.Weltweit sind 2.500 bis 3.000 freiwillige Ärzte, Hebammen, Krankenpfleger/innen, medizinisch technische Assistentinnen in etwa 80 Ländern in 400 bis 450 Hilfsprojekten im Einsatz. Dabei werden sie von 15.000 lokalen Mitarbeiter/innen unterstützt. Aus Oberöstereich waren in den neun Jahren seit Gründung der österreichischen Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“ 18 Personen auf 41 Einsätzen (120 aus Österreich).

Tradition der Ordensspitäler


Die „Ärzte ohne Grenzen“ waren in Oberösterreich auf „Werbe“-Tour. Landtagspräsidentin Angela Orthner zeigte sich „konsterniert“, dass aus Oberösterreich erst eine Person von einem Spital für einen Einsatz bei „Ärzte ohne Grenzen“ karenziert wurde. Mag. Alexander Lang, Geschäftsführer der OÖ. Ordenspitäler Koordinations GmbH wies allerdings darauf hin, dass die Ordensspitäler schon auf Grund ihrer Missions-Verbindungen seit eh und je Mitarbeiter für Einsätze in armen Ländern karenzieren.

Mütter-Schicksal


Landtagspräsidentin Angela Orthner unterstütze das Anliegen der „Ärzte ohne Grenzen“. Humanitäre, soziale Hilfe, sagte die Präsidentin, habe in unserem Land einen Stellenwert, den das Land auch der „GESPAG“ (Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals AG) mitgegeben habe. Orthner stellte auch eine Querverbindung zum Schicksal von Müttern her. Vielfach erleben diese nach ihrer Karenz, dass der Weg zurück in ihren Beruf versperrt oder zumindest sehr steinig ist. „Da muss uns überall mehr einfallen“, resümierte die Landtagspräsidentin.

Zweiter Einsatz


Walter Voitl kehrte zu den Barmherzigen Schwestern zurück. Bald darauf aber übersiedelte er in die Zentrale von Ärzte ohne Grenzen nach Wien. Er ist dort nun für Fundraising zuständig, sorgt dafür, dass die Mittel nicht versiegen. Er war zudem heuer schon wieder für zwei Monate im Ausland, in Äthiopien bei einem Notfalleinsatz.

Ernst Gansinger

Ärzte ohne Grenzen,
Josefstädter Straße 19, 1080 Wien,
Tel. 01/409 72 76;
E-Mail: office@aerzte-ohne-grenzen.at
Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.at
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