Die Katholische Aktion Österreichs hat in wichtigen Fragen Flagge gezeigt
Ausgabe: 2003/40, Reform, Kirche, Europa, Generationen, Flagge, KA
30.09.2003
- Hans Baumgartner
Vor fünf Jahren ging der „Dialog für Österreich“ in die Zielgerade. Für Christian Friesl war das eines der wichtigsten Ereignisse in den sechs Jahren seiner KA-Präsidentschaft.
Vergangenen Samstag wählte die Katholische Aktion Österreichs eine neue Führung. Der Pastoraltheologe und Sozialforscher Christian Friesl hat nach zwei Amtsperioden nicht mehr als Präsident kandidiert. Ihm folgt die bisherige Vizepräsidentin Luitgard Derschmidt nach.
Ein Modell von Kirche
Die Kirchensituation in Österreich sei heute viel ruhiger als vor sechs Jahren, meint Christian Friesl. „Aber immer öfter frage ich mich, was für die Kirche produktiver ist – eine Krise, wo sie ordentlich hergebeutelt wird und daraus einen neuen Aufbruch wagt, oder eine Situation, wo man jeden Konflikt zu vermeiden versucht und dadurch immer mehr in einen Stillstand und eine Profillosigkeit gerät.“ Als er sich vor sechs Jahren bereit erklärte, für die KA-Präsidentschaft zu kandidieren, hätten ihn viele gefragt, warum er sich das antue, erinnert sich Friesl. Die Kirchenführung hatte zum so genannten „Fall Groer“ immer noch keine klare Position gefunden, das Kirchenvolksbegehren klopfte mit 500.000 Unterschriften laut an die Reformtür, und wie der „Dialog für Österreich“ ausschauen sollte, war 1997 noch sehr ungewiss. „Wir haben damals sehr darum gekämpf, dass beim Dialog wirklich jene Fragen zur Sprache kommen, die uns innerhalb und außerhalb der Kirche stark bewegten. Und wir haben damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass wirklich alle Gruppen der Kirche am Tisch des Dialoges sitzen“, erinnert sich Friesl. „Für uns war dieser Dialog die Probe, ob die verschiedenen Strömungen in der Kirche Österreichs noch zusammenarbeiten können.“ Auch wenn dieser Aufbruchszug nur kurz gefahren sei und zur Enttäuschung vieler von den Bischöfen (zu?) rasch unter dem Eindruck weltkirchlicher Zurufe gestoppt wurde – „der Dialog ist für mich eine Modell, wie Kirche im 21. Jahrhundert gelebt werden sollte“, betont Friesl. „Es wurde sowohl in der Vorphase als auch bei der Delegiertenversammlung im Oktober 1998 eine Kirche vorgelebt, die einerseits unterschiedliche Strömungen respektvoll vereint hat und andererseits sich nicht gescheut hat inhaltlich klare Entscheidungen zu treffen.“
Reform in der KA
Während der Dialog-Zug trotz großem Engagement zum Stillstand gekommen sei, sieht Friesl die Katholische Aktion gut unterwegs. Mit den internen Reformschritten haben sowohl das inhaltliche Profil der Katholischen Aktion als auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Gliederungen und Diözesen gewonnen. „Ich glaube, wir sind meinem Ziel ein Stück näher gekommen, bei aller Vielfalt und Buntheit ein gemeinsames KA-Bewusstsein zu entwickeln“, meint Friesl. Die drei neu eingerichteten Foren (Arbeit – Wirtschaft–Soziales; Kunst– Wissenschaft–Medien; Beziehung– Ehe–Familie) hätten sowohl die inhaltliche Arbeit und das gesellschaftliche Profil als auch die interne Vernetzung vorangebracht. „So konnten wir z. B. in der Europa-Frage der FPÖ-Propaganda mit der Aktion „Christsein ist grenzenlos“ breit entgegentreten
Messlatte Evangelium
Für die neu gewählte Präsidentin Luitgard Derschmidt sind die Foren „nicht nur Denkwerkstätten mit guten Fachleuten, sie ermöglichen auch eine umfassende Sichtweise. Ob wir nun über den Generationenvertrag, über Fragen des Sozialstaates oder über das Laienapostolat beraten – am Tisch sind die Interessen und Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen ebenso vertreten wie jene der Frauen und Männer, der Familien, der Arbeiter usw. Das breite Hinsehen darf aber nicht im unverbindlichen Einheitsbrei enden,“ meint Derschmidt. „Als KA müssen wir unser Urteilen und Handeln stets an der kantigen Messlatte des Evangeliums orientieren.“
Zur Sache
Ausblicke
Mehr Anerkennung der „eigenständigen Berufung“ der Laien und der Arbeit der Katholischen Aktion auf allen Ebenen der Kirche wünscht sich die neu gewählte KAÖ-Präsidentin Luitgard Derschmidt. Sie verweist dabei auf Papst Johannes Paul II., der erst kürzlich die Katholische Aktion als unverzichtbar für die Kirche bezeichnet hat.
Das Thema Europa wird, wie schon in den letzten Jahren, die Katholische Aktion weiter stark beschäftigen, kündigt Derschmidt an. So sind im Rahmen des Mitteleuropäischen Katholikentages eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen geplant. Die Themen reichen von aktuellen Wertefragen und dem sozialen Zusammenhalt in Europa bis zu den verschiedenen Formen des Laienapostolats. Derschmidt wünscht sich auch den Ausbau der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf allen Ebenen der KA. Weitere gesellschaftliche Schwerpunkte für die KA sieht sie in der Generationenfrage, in der Asyl- und Migrationspolitik, der Entwicklungspolitik und in der Sozialstaat-Diskussion. Hier gehe es darum, welche zentralen Aufgaben der Staat im Interesse seiner Bürger/-innen wahrzunehmen hat, von der sozialen Sicherheit bis zur Bildung für alle. Die KA-Reform soll, so Derschmidt, weiter vertieft werden und Möglichkeiten für eine bessere Kooperation der verschiedenen Laienorganisationen überlegt werden.