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Frauen bei Gehalt und Aufstieg hinten nach

KAB-Frauen fordern eine aktive Gleichstellungspolitik
Ausgabe: 2003/41, Frauen, Gewalt, Prenn, KAB, Frauenpolitik
07.10.2003
- Hans Baumgartner
„Wir wollen nicht noch 240 Jahre warten, bis Frauen in Österreich für gleiche Arbeit dasselbe bekommen wie Männer“, fordert Rosa Prenn von der KAB zum „Schließen der Lohnschere“ auf.

Auch nach über 30 Jahren „Frauenpolitik“ verdienen österreichische Frauen in Industrie und Dienstleistung noch immer um ein Drittel weniger als Männer. Selbst wenn man die Teilzeitbeschäftigten, vorwiegend Frauen, aus der Statistik herausnimmt, gibt es immer noch eine Lohndifferenz von 28 Prozent. „Dieses Ergebnis einer Sozialstudie der EU-Kommission ist gewiss kein Ruhmesblatt. Denn damit hat Österreich von allen EU-Ländern die größten Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern“, kritisiert Rosa Prenn. Die Salzburgerin ist stellvertretende Vorsitzende und Leiterin des Frauenarbeitskreises der Katholischen Arbeitnehmer/-innenbewegung (KAB).

Nicht mehr zuwarten

Würde man die Gehaltsentwicklung der letzten Jahre in die Zukunft verlängern, bräuchten die österreichischen Arbeitnehmerinnen noch 240 Jahre, um das Gleiche zu verdienen wie ihre männlichen Kollegen. „So lange wollen wir nicht warten“, fordert Prenn Maßnahmen für eine aktive Gleichstellungspolitik.
Zwei konkrete Anlässe gibt es für den Vorstoß: Die Regierung bereitet derzeit eine Neufassung des „Gleichbehandlungsgesetzes“ vor. „Der erste Entwurf war höchst unbefriedigend“, meint Rosa Prenn. Außerdem ist die Chancengleichheit von Frauen und Männern ein Schwerpunkt der Aktion „Gute Arbeit“, die von KAB und Betriebsseelsorge gemeinsam im Mai gestartet wurde und ein Jahr lang laufen soll. „Wir wollen jetzt verstärkt Ansprechpartner für unser Anliegen suchen und gelungene Frauenförderungsmodelle präsentieren“, kündigt Rosa Prenn an.

Gemeinsam Front machen


Vor kurzem fand ein erstes Gespräch der KAB mit Frauenministerin Maria Rauch-Kallat statt. „Es war eine sehr offene Aussprache, in der die Ministerin auch von ihren Schwierigkeiten berichtete, Frauenanliegen politisch voranzubringen“, meint Gudrun Stubenrauch von der KAB Graz. Sie sieht darin auch einen Auftrag, dass man jene Kräfte stärker vernetzen muss, die für die Frauen was weiterbringen wollen. „Vielleicht haben wir gerade als kirchliche Organisation da mehr Möglichkeiten als andere.“ Rauch- Kallat informierte die KAB-Delegation über mehrere Projekte: Mit einer Informationskampagne sollen Mädchen ermutigt werden, nicht wie bisher zu 70 Prozent in die typischen Frauenberufe (Friseurin, Handelsangestellte, Sekretärin) einzusteigen. In den Mutter-Kind-Pass soll eine Wiedereinsteiger/-innenberatung aufgenommen werden. Außerdem will das Ministerium für Frauen ein Beratungsprogramm für Karriereplanung anbieten. Für Stubenrauch sind das eher „weiche“ Maßnahmen. „Wir fordern, dass auch Nägel mit Köpfen gemacht werden.“

Nägel mit Köpfen


Konkret fordert die KAB die Einführung regelmäßig überprüfter Frauenförderpläne in Betrieben. Damit soll sichergestellt werden, dass Frauen nicht niedriger eingestuft werden, gleiche Fortbildungen erhalten und Karrierechancen haben. Außerdem sollten die Arbeitsbewertungsverfahren objektiviert werden. Derzeit würden die Arbeit an Maschinen oder technischen Fähigkeiten viel höher eingestuft als soziale Kompetenz und Arbeit für Menschen. Das führe dazu, dass z. B. die Schwerstarbeit in Pflegeberufen als solche weder anerkannt noch entlohnt wird. Arbeitsbewertungsverfahren wären gute Instrumente, mit denen etwa die Gleichbehandlungsanwältinnen gerechte Löhne für Frauen durchsetzen könnten. Dazu aber müssten die Kriterien stimmen, fordert Stubenrauch.




Zum Beispiel

Zur Sache

Die KAB tritt für eine gerechtere Aufteilung von Berufs- und Familienarbeit, von Lohn und Karrierechancen zwischen Männern und Frauen ein. Sie will dabei auch gute Beispiele in die Auslage stellen.Derzeit gibt es in der Wirtschaft eine breite Diskussion über „sozialverträgliches Handeln“. In der Steiermark ist man da schon einen Schritt weiter. Unter dem Titel „Fair Work“ vergibt die Arbeiterkammer an Betriebe so eine Art „Sozialgütesiegel“. Voraussetzung ist ein positives Ergebnis eines umfassenden Zertifizierungsverfahrens. Dabei wird auch darauf geachtet wie frauen- und familienfreundlich der Betrieb ist, berichtet Gudrun Stubenrauch von der KAB Graz. Die Geschäftsleitung der Programm- und Systementwicklung der Siemens AG ließ vor zwei Jahren überprüfen, wie frauenfreundlich der Betrieb ist. Anstoß war die niedrige Frauenrate im Betrieb. „Wir haben festgestellt, dass wir etwa denselben Prozentsatz von Frauen beschäftigen, wie er an technischen Schulen vertreten ist“, berichtet Projektleiterin Simone Köhler. „Prinzipiell sind Frauen auch bei Gehalt und Karrierechancen gleichgestellt. Trotzdem schauen wir seither gezielter, dass Schulungsmaßnahmen so angesetzt werden, dass sie Frauen leichter besuchen können. Wir ermuntern Frauen auch gezielt, sich verstärkt dazu anzumelden.“ Betriebskindergärten, das Recht auf Teilzeit und die Möglichkeit auf angepasste Arbeit in der Karenzzeit sollen Frauen und Männern helfen, Familie und Arbeit gut unter einen Hut zu bringen. „Uns geht es nicht um eine ,Frauenquote‘, sondern um Chancengleichheit. Dazu müssen Barrieren abgebaut werden – auch in den Köpfen“, meint Köhler.
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