„Eltern gibt es immer zwei“: Für Andreas und Roswitha Rumetshofer ist es selbstverständlich, dass sie beide in Karenz gegangen sind.
„Für mich ist die Karenz ganz sicher keine verlorene Zeit.“ Der Altenfachbetreuer Andreas Rumetshofer aus der Mühlviertler Gemeinde Mönchdorf ist ein Jahr lang bei seiner Tochter Iris zu Hause geblieben. Mittlerweile ist Iris drei Jahre alt. Zuvor war seine Frau Roswitha zwei Jahre lang in Karenz gegangen. Als ihr Mann die Kinderbetreuung von ihr übernommen hat, hat es keine Probleme gegeben. „Die Iris ist sowieso ein Papamäderl“, erzählt Roswitha Rumetshofer. „Und mein Mann war auch ganz froh über die Berufspause“, ergänzt sie. „Ich würde es jedem empfehlen“, ist die Volksschullehrerin von den Vorteilen der auf beide Eltern aufgeteilten Karenz überzeugt. Mit zu den positiven Seiten gehört, dass beide gemeinsam eine längere Karenzzeit in Anspruch nehmen konnten. Wäre Roswitha Rumetshofer alleine in Karenz gegangen, hätte sie maximal 30 Monate in Karenz gehen können, so waren hingegen insgesamt drei Jahre möglich.
Mehr Zeit als im Alltag
Aber nicht nur deswegen war die Väterkarenz eine sehr positive Erfahrung für Andreas Rumetshofer. „Ich habe besonders schön gefunden, dass ich mir in der Karenz so richtig Zeit nehmen konnte für meine Tochter.“ Im Alltag ist das leider oft nicht so gut möglich“, sagt Andreas Rumetshofer, der auch bei seinem erst ein paar Wochen alten Sohn Philipp in Karenz gehen möchte. Es habe ihm etliche zusätzliche Kompetenzen in seinem Beruf als Altenpfleger gebracht, betont er. Zu diesen Fähigkeiten gehört dabei auch die Hausarbeit, um die er sich während der Karenz besonders kümmern musste.Von den erworbenen Kompetenzen profitiert man auch an seinem Arbeitsplatz, dem Seniorenheim in Grein.
Im Gegensatz zu vielen Arbeitgebern war es hier für Andreas Rumetshofer relativ leicht möglich in Karenz zu gehen. Dazu gehört auch, dass das Seniorenheim beim Wiedereinstieg in den Beruf hilft und hier entgegenkommt.Durchwegs positive Reaktion darauf, dass Andreas Rumetshofer für ein Jahr bei seiner Tochter zu Hause geblieben ist, gab es auch vom persönlichen Umfeld der beiden. „Zuerst hat es schon Vorbehalte gegeben. In der Spielgruppe war ich zum Beispiel der einzige Vater, der dabei war. Aber dann wurde ich von den Frauen bald akzeptiert. Ich bin das gewöhnt. Im Senorienheim bin ich auch unter lauter Frauen.“
Von finanzieller Seite sei es nicht allzu schwierig gewesen. „Außerdem ist Geld nicht alles“, wie Andreas Rumetshofer meint. Die Rumetshofers wissen zugleich auch, dass es in der Privatwirtschaft für Väter bedeutend schwieriger ist, in Karenz zu gehen. Diese Möglichkeit ist hier nur äußerst selten vorgesehen und zudem wenig akzeptiert.
Wunsch nach Väterkarenz
„Ich habe schon etliche unserer Bekannten sagen hören, sie könnten sich es grundsätzlich vorstellen und würden das wirklich gerne tun, aber sie können nicht. Bei vielen Betrieben ist das alleine auf Grund der geringen Anzahl an Mitarbeitern oft nicht möglich.“ Jene Bekannten der Familie Rumetshofer, bei denen beide Elternteile in Karenz gehen konnten, sind hingegen vorwiegend bei Bund, Land oder sozialen Einrichtungen, jedoch nicht in der Privatwirtschaft beschäftigt. Diese Erfahrungen entsprechen dem, was die Statistik über die Gesamtsituation in Österreich aussagt. Insgesamt gehen nur 2,3 Prozent der Väter in Karenz (siehe Kasten rechts).
Andreas und Roswitha Rumetshofer betonten, dass es – vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen – schon selbstverständlich sein sollte, dass beide Elternteile in Karenz gehen: „Eltern gibt es immer zwei. Deswegen ist es grundsätzlich wichtig, dass beide die Verantwortung übernehmen“, sagt Roswitha Rumetshofer.
Zur Sache
Väterkarenz
Männer, die in Karenz gehen, sind eindeutig in der Minderheit. Seit 14 Jahren gibt es in Österreich bereits die Möglichkeit für Väter in Karenz zu gehen, bislang liegt der Anteil jener Väter, die das auch tun, bei 2,3 Prozent. Und das obwohl sich in der Männerstudie des Theologen Paul Zulehner herausstellte, dass sich ca. 40 Prozent der Befragten vorstellen können, selbst in Karenz zu gehen. Mehr Kindergeld für Väter, gleicher Lohn für gleiche Arbeit bei beiden Geschlechtern würde Vätern die Chance geben, sich in der Kindererziehung mehr zu engagieren, betont die Organisation Kinderfreunde.
Derzeit verdienen Frauen im Schnitt um ein Viertel weniger als Männer. Für viele Familien ist es deshalb wirtschaftlich unmöglich, dass der besser verdienende Vater in Karenz gehen kann. Dass der Karenzanspruch fast nur von Frauen wahrgenommen wird, liegt auch an dem nach wie vor herrschenden Bild in der Gesellschaft, wonach der Mann im Berufsleben verbleibt, während die Frau zum spätestmöglichen Zeitpunkt in die Arbeitswelt zurückkehrt, wie das Sozialministerium im Familienbericht festhält.