„Ein bisschen dem Herrn Pfarrer helfen.“ Unter diesem Titel wurde Waltraud Wagner 1996 in der Pfarrkanzlei angestellt. Heute ist ihr Büro die Drehscheibe der Pfarre.
Dass Waltraud Wagner mit der Organisation eines Büros vertraut ist, sieht man auf den ersten Blick. Und ebenso, dass ihr die Arbeit Freude macht. „Sie tut sehr viel“, sagt ihr Chef, Pfarrer Erwin Ecker: „Ich könnte mir nicht vorstellen, dass sie nicht mehr da wäre.“ Von der Kirchenrechnung über Matrikenführung bis zur Kindergarten- und Friedhofsverwaltung managt sie eine Fülle von Bereichen oder ist zumindest eingebunden. Dass die vielen kleinen und großen organisatorischen Fragen bei ihr zusammenlaufen, darüber ist Pfarrer Ecker froh.
Pastoral in der Pfarrkanzlei
Der Einsatz der Pfarrsekretärin bedeutet für ihn aber mehr: „Die Waltraud macht pastorale Arbeit. Sie ist normalerweise die erste Ansprechpartnerin, wenn Menschen in den Pfarrhof kommen.“ Und die kommen zur Genüge: Eine Aktivistin holt die Pfarrblätter ab und Waltraud Wagner hilft beim Abzählen. Einer anderen Frau gibt sie Unterlagen zur Anmeldung zum Pfarrausflug, zwischendurch bezahlt sie Spesen aus. Als eine Dame eine Messe für einen kürzlich Verstorbenen bezahlen will und sich nicht augenblicklich ein passender Termin findet, beginnt sie umgehend eine Alternative darzulegen: Beim Gottesdienst in Steyregg wird eine Fürbitte gelesen, mit dem Messstipendium wird einem Priester im Ausland geholfen. Schon ist das Anliegen zur Zufriedenheit aller erfüllt.
Der freundliche Ton
Das schätzt der Pfarrer an seiner Mitarbeiterin: ihre Freundlichkeit, ihre Gewandtheit und ihr Gespür für den richtigen Ton. All das trägt zu einem guten Klima in der Pfarre bei. Und schmunzelnd meint er: „Ich heiße Ecker und bin oft auch ein wenig eckig zu den Leuten. Die Waltraud ist ein Gegenpol und fängt im Vorfeld manches ab.“ Den Umgang mit Menschen hat Wagner von der Pike auf gelernt. Sie absolvierte bei einem Rechtsanwalt die Lehre als Bürokauffrau und leitete das Sekretariat der Kanzlei, bis sie ihren Beruf der Kinder wegen aufgab. Nach der „Babypause“ begann sie in der Pfarre, zuerst mit sechs Wochenstunden – heute ist sie dreißig Stunden angestellt. Nicht eingerechnet die ehrenamtliche Arbeit.
Mehr als ein Job
„Pfarrsekretärin ist mehr als ein Job, die Pfarre ist Teil meines Lebens geworden“, sagt Waltraud Wagner und hat für ihr Berufsverständnis eine eigene Beschreibung erfunden: integriertes Leben in der Pfarre. „Meine Familie sieht, dass ich gerne in die Arbeit gehe und darum ist für meinen Mann und die beiden Kinder der Einsatz okay“, erklärt sie. Ihr Engagement, das über die Vorschrift hinausgeht, hat auch mit Pfarrer Ecker zu tun: „Unser Herr Pfarrer wird 75 Jahre und wir möchten, dass er noch lange bei uns bleibt.“ Daher möchte auch sie ihren Beitrag zu einer lebendigen Gemeinschaft in Steyregg leisten.
Pfarrsekretär/in
Zur Sache
Das Pfarrbüro ist häufig die erste Anlaufstelle für alle Fragen „rund um die Kirche“. Da wegen des Priestermangels im Pfarrbüro immer seltener die Pfarrer, sondern – im Normalfall – die Pfarrsekretäre/innen anzutreffen sind, kommt ihnen zunehmend mehr pastorale Funktion zu. Ein Beipiel einer nicht nur adminstrativ, sondern auch pastoral tätigen Sekretärin ist Waltraud Wagner aus Steyregg (siehe links: „Im Einsatz für das Klima.“ Von den 487 Pfarren der Diözese haben 244 eine/n Pfarrsekretär/in (in sehr unterschiedlichem Stundenausmaß) angestellt.