Oberösterreicher/innen haben im letzten Jahr 2,5 Millionen Euro mehr an Kirchenbeitrag bezahlt. Diözesanökonom Dr. Alfred Tschandl im Gespräch mit der Kirchenzeitung.
KIZ: Die Diözese Linz hat 2004 wiederum positiv bilanziert (siehe unten). Wird das in den nächsten Jahren so bleiben?
Dr. Alfred Tschandl: Unter guten personellen Voraussetzungen wie jetzt braucht man sich in den nächsten fünf Jahren über das Budget der Diözese Linz keine großen Sorgen machen. Das vor allem, weil durch die strategische Planung und den Strukturprozess gute Voraussetzungen geschaffen wurden, dass uns die Kosten nicht aus dem Ruder gleiten. Wir haben erlebt, wie krisenanfällig die Kirche im vorigen Jahr war. Dass unter solchen Voraussetzungen eine Steigerung des Kirchenbeitragsaufkommens in Oberösterreich möglich war, ist ein riesiges Kompliment der oberösterreichischen Katholiken und Katholikinnen ihrer Kirche gegenüber.
Der Prozentanteil, der aus dem Diözesanbudget für die Pfarren verwendet wurde, ist etwas niedriger als im Vorjahr. Warum?
Tschandl: Wenn einzelne Pfarren nicht mehr besetzt werden können, weil kein hauptamtliches Personal zur Verfügung steht, wirkt sich das aus. Es ist auch schwierig, ausgebildete Laienseelsorger zu bekommen. Der Stellenplan sieht mehr Personal vor, als wir zur Verfügung haben. Auch verrechnungstechnisch lässt sich die Differenz begründen. In absoluten Zahlen haben wir für die Pfarren aber eine halbe Million Euro mehr aufgewendet als im Jahr zuvor. Mit der Entscheidung, dass wir die mittlere Ebene der Dekanate und Seelsorgeräume stärken wollen, ist mitgesagt, dass wir hier mehr Geld verwenden wollen – wenn die Leute dafür da sind.
Letzten Freitag war Spatenstich für eine neue Kirche in der Solarcity Linz. Reicht der finanzielle Spielraum aus, dass die Kirche noch richtungweisende Akzente setzen kann?
Tschandl: Grundsätzlich wollen wir eher Kirchengebäude und Pfarrheime erhalten und nicht ausbauen, weil wir nicht damit rechnen können, dass sie in absehbarer Zukunft stärker frequentiert werden. Trotzdem setzen wir auch Akzente. Dafür war die Diözese Linz immer schon gut. Linz ist da anderen Diözesen weit voraus. Wo es notwendig ist, bauen wir auch neu. Durch die Bestellung eines Umweltbeauftragten (Dr. Michael Rosenberger, Anm.) haben wir gezeigt, dass wir in den Fragen Energie und Umwelt Akzente setzen wollen. Auch da unterscheiden wir uns von anderen Diözesen. Mit der Entscheidung, keine Handymasten auf sakralen Gebäuden mehr zuzulassen, zeigen wir, dass uns nicht nur das Geld wichtig ist.
Wofür Kirche Geld ausgibt
Zum Thema
78,5 Millionen Euro. Das sind die Mittel, die die Diözese Linz 2004 zur Verfügung hatte. Bemerkenswert dabei: Trotz der Kirchenkrise in St. Pölten und damit verbundener Kirchenaustritte haben die Katholikinnen und Katholiken um 2,5 Prozent mehr an Kirchenbeiträgen zum Diözesanbudget beigesteuert. 85 Prozent dieses Budgets machen die Kirchenbeiträge aus.
Der größte Teil des Diözesanbudgets, mehr als 41 Mio Euro, kommt den Pfarren zugute. Gehälter für Pfarrseelsorger und pfarrlicher Bauaufwand sowie andere Aufwendungen fallen unter diese Rubrik.
Alle diözesanen Ämter zusammen kosten mit den Bereichen der kategorialen Seelsorge (Bildungshäuser, Betiebsseelsorge usw.) 26 Millionen Euro. Das Pastoralamt mit den angeschlossenen Bildungsbereichen kostete 8,5 Millionen Euro. Die beiden diözesanen Gymnasien (Petrinum, Stifter-Gymnasium), die Pädagogische Hochschule und die theologische Privatuniversität kosteten 4,5 Millionen Euro. 2,2 Millionen Euro wurden für gemeinsame Aufgaben der Kirche Österreichs ausgegeben.