So wie Olga und Natascha – hier im Bild mit ihrer Gastmutti – machen heuer wieder rund 500 Kinder aus Weißrussland Erholungsurlaub bei oberösterreichischen Familien. Die oft unterernährten Buben und Mädchen, die zum Teil an den Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl leiden, genießen es, einmal so richtig umsorgt zu werden. Sie tanken hier Kraft für ihr weiteres Leben.
Dank der Caritas-Erholungsaktion konnte heuer bereits das 10.000. Tschernobyl-Kind nach Österreich geholt werden.
Es gefalle ihr sehr gut hier, meint Natascha, ganz mit dem Basteln einer Überraschung für ihre „österreichische Mutti“ beschäftigt. Das glaubt man ihr gern, denn auf dem Bauerhof der Familie Hinterbichler bei Garsten gibt es alles, was ein Kinderherz begehrt. Sogar ein Schwimmbad wurde heuer eigens für die kleinen Gäste aufgestellt. Seit über drei Wochen sind die elfjährige Olga und die zwölfjährige Natascha schon hier, um Kraft zu tanken, bevor es am 23. Juli wieder nach Hause geht.
Daran will Ingrid Hinterbichler, die sehr an „ihren“ Kindern hängt, aber noch gar nicht denken. Sie ist bereits zum achten Mal Gastmutter und hat bisher nur positive Erfahrungen gemacht. „Ich betrachte sie als meine eigenen Kinder und behandle sie auch so. Dann gibt es keine Probleme“, meint die vierfache Mutter. Das sei auch das Ziel der Aktion, so Hermine Strasser, ehrenamtliche Organisatorin der Kindergruppe Steyr: Es geht nicht darum, dass man den Kindern ein volles Programm bietet, sondern dass man sie in eine normale Familie integriert. Die Verständigung klappt meist auch: „Anfangs brauchten wir Hände und Füße, aber mit der Zeit merkt man sich ein paar russische Ausdrücke. Und die Kinder lernen ja sehr schnell, wie sie das Wichtigste auf Deutsch sagen können.“
Mit ihren früheren Gastkindern hat Ingrid Hinterbichler immer noch telefonischen oder brieflichen Kontakt. Die Liebe, die ihr die Kinder zurückgeben, sei für sie der schönste Lohn: „Man bekommt eigentlich sehr viel mehr als man gibt.“ Seit ihrem Bestehen versucht die von der Zeitschrift „Welt der Frau“ ins Leben gerufene Aktion, den am schlimmsten benachteiligten weißrussischen Kindern ein paar schöne Tage in Österreich zu ermöglichen. Manche von ihnen leiden an Schilddrüsen- und Magenproblemen oder chronischen Kopfschmerzen als Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.
Die meisten Eltern sind zudem so arm, dass sie den Kindern nur eine Mahlzeit am Tag bieten können. Da kann ein Österreich-aufenthalt schon wahre Wunder bewirken. Die oft sehr abgemagerten Kinder können sich hier so richtig satt essen und sind danach viel seltener krank.
ZUR SACHE
Landesweite Aktion
Nicht nur im Raum Steyr, sondern in ganz Oberösterreich sind zur Zeit weißrussische Kinder bei einheimischen Familien zu Gast. Sie erholen sich unter anderem auch in Wilhering, Aschach und Feldkirchen an der Donau. Dort brachte der Nah & Frisch-Kaufmann Horst Karl 49 Kinderaugen zum Leuchten, als er den Kleinen bei der Ankunft mit Schul- und Spielsachen gefüllte Rucksäcke überreichte. Eine schöne Begegnung fand am Sonntag, 10. Juli in Hartkirchen statt, wo über 20 Gastkinder den Gottesdienst mit der Gemeinde feierten. Die Kinder unternehmen wöchentlich einen gemeinsamen Ausflug, wie zum Beispiel eine Fahrt mit der Steyrtal-Museumsbahn oder eine Zugfahrt ins Mühlviertel mit Wanderung und Grillen. In diesem Rahmen wurde auch das Linzer Ars Electronica Center besucht. Dolmetscherinnen begleiten die Kinder und besuchen sie bei ihren Gastfamilien. So können sich die Buben und Mädchen gesundheitlich erholen und viele schöne Eindrücke mit nach Hause nehmen.