Mehr als 25.000 Kinder leben in der Millionenstadt Kinshasa auf der Straße. Sr. Hilde-gard Litzlhammer aus Eggerding (bei Schärding) hat am Stadtrand ein Zentrum für diese Kinder ohne Familie aufgebaut.
Nono ist 22 Jahre alt und absolviert seit einigen Tagen eine Konditor-Ausbildung in Niederösterreich. Ihr weiß sich Sr. Hildegard besonders verbunden. Denn Nono wurde vom Schützling aus dem Haus für Straßenkinder in Kinshasa zu einer verlässlichen Mitarbeiterin im Bäckerei-Projekt von Sr. Hildegard. Nono stammt aus Sambia, einem Nachbarstaat des Kongo, ihr Vater ist ein Tischler. Ein reicher Bruder des Vaters nahm sie im Alter von acht Jahren zu sich, um ihr in der Metropole Kinshasa eine erstklassige Ausbildung zu ermöglichen. Anfangs ging alles bestens.
Vom reichen Kind zur Hexe
Als der Onkel völlig überraschend Job, Geld, Haus und Auto verliert, nimmt Nono der zweite – ebenfalls sehr wohlhabende Bruder ihres Vaters auf. Doch auch dieser Onkel wird von seinem Unternehmen gefeuert und muss sogar ins Gefängnis. Ein schier unglaublicher Zufall, für Nonos verarmte Verwandte ist der Grund aber sonnenklar: Das Mädchen ist eine Hexe und wird auf die Straße gesetzt. In einem Plastiksackerl finden ihre ganzen Habseligkeiten Platz. So steht sie eines Tages vor dem Haus der Don-Bosco-Schwestern. Sr. Hildegard nimmt sie auf, ermöglicht dem blitzgescheiten Mädchen die Matura und stellt sie in der Bäckerei der Schwestern an.
Nun gehört Nono zu einer kleinen Gruppe, die im Stadtzentrum von Kinshasa eine Konditorei aufbauen soll. „Im Zentrum, wo die Reichen wohnen, besteht Bedarf dafür“, erklärt Sr. Hildegard. Die Konditorei schafft Ausbildungsplätze für junge Menschen und bringt Einnahmen für das Straßenkinderhaus der Schwestern am Stadtrand. 55 Mädchen leben dort und nicht alle Schicksale gehen so gut aus wie das von Nono. Doch was möglich ist, geben die Ordensfrauen den Kindern: „Wir haben die Kinder gern. Sie hören einfach zu unserer Gemeinschaft.“ Die allermeisten Kinder, die im Alter von sechs, sieben Jahren kommen, leben sich gut ein und fast könnte man meinen, die psychischen Wunden seien geheilt.
Ohne Familie kein Leben
Doch mit der Pubertät beginnt eine enorm schwierige Zeit, da den Straßenkindern bewusst wird, dass sie keine Familie haben. „In Afrika keine Familie zu haben, das ist kein Leben“, so Sr. Hildegard: „Darum möchte ich, dass sie einen Beruf lernen können. Das gibt ihnen Sicherheit.“
Sr. Hildegard Litzlhammer wird aus der Augustsammlung der Caritas unterstützt. Die Spenden sollen beim Aufbau der Konditorei mit angeschlossenen Übernachtungsmöglichkeiten für die jungen Angestellten helfen.