Das Leben unter einfachen Verhältnissen ist die Bevölkerung in Rumänien gewohnt. Doch die momentane Flutkatastrophe gefährdet die Existenz zahlreicher Landsleute . Nach dem Hochwasser im April und Juli sind neuerlich viele Regionen , vor allem der Osten, von einer Hochwasserkatastrophe betroffen. Mehr als 500 Dörfer sind dem Hochwasser ausgesetzt. Über 200 Häuser wurden völlig zerstört, 2000 beschädigt, insgesamt starben 52 Menschen.Die Sachschäden werden auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt. In OÖ wurden bisher 33.000 Euro an die Caritas gespendet. (Foto: Patricia Kaiser)
Rupert Mairinger (Foto Neuhofer) arbeitet in Ciacova Rumänien.
Sr. Patricia Kaiser (Foto Andrea Brandner) fand bei den kranken Menschen ihre Bestimmung in Rumänien.
Die Steyler Ordensschwester Patricia Kaiser aus Kirchschlag leistet seit zehn Jahren Missionsdienst in Raducaneni in Rumänien.
„Es ist mir wichtig, den Menschen aus der Resignation zu helfen und sie in ihrem Selbstvertrauen zu stärken”, so antwortet die gelernte Krankenschwester wenn man sie nach ihrer Motivation fragt, Missionsdienst in Rumänien zu leisten. In Raducaneni, einem 5000 Einwohner-Ort,in der Diözese Iasi, ist sie im Bereich der Hauskrankenpflege tätig. Drei weitere Schwestern betreuen die Kinder und Jugendlichen.
Korruption und Armut
Viele der Einwohner leben am Existenzminimum, betreiben meist eine Landwirtschaft oder Weinbau, was allerdings aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage nur wenig einbringt. Korruption und unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen immer noch vor. Duch die Osterweiterung haben viele Erwachsene Hoffnung, im Westen Arbeit zu finden und somit ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch diese Option steigert die Unzufriedenheit mit der Situation im eigenen Land noch mehr. Viele fallen der Prostitution und dem Alkoholismus zum Opfer. „Die Leidtragenden sind schlussendlich immer die Kinder”, sagt Schwester Patricia. Diese beenden oft nicht einmal die vierte Schulstufe, da sie im elterlichen Betrieb als Arbeitskräfte benötigt werden, sind meist sich selbst überlassen, ohne familiären Rückhalt. Schwester Patricia und ihre Kolleginnen versuchen dem entgegenzuwirken. So haben sie 2001 das Sozialpastoralzentrum Haus Nazareth gegründet. Durch Spenden an den Steyler Orden und die Unterstützung der dortigen Pfarre konnte der Neubau innnerhalb eines Jahres fertig gestellt werden. Das Zentrum gilt als Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Dort finden in regelmäßigen Abständen Jungschartreffen und christliche Veranstaltungen statt. Auch Nachhilfe für lernschwache Kinder wird angeboten.
Pfarrgemeinschaft
Das Projekt findet regen Anklang bei der Bevölkerung. „Es ist uns ein Anliegen, die Menschen in ihrer Kreativität zu fördern, sodass sie das gemeinschaftliche Leben in der Pfarre selbstständig gestalten. Sie sollen nicht abhängig von uns sein”, betont die Missionsschwester. Aufgrund der hohen Arzt- und Krankenhauskosten haben viele Menschen nicht die Möglichkeit, diese in Anspruch zu nehmen. Oft herrscht Mangel an Medikamenten und somit greift die fachkundige Schwester auf selbst zubereitete Salben und Tinkturen zurück.Durch das Vertrauen auf Gott und das tägliche Gebet schöpft Schwester Patricia Kraft. Den Glauben daran, dass Gott sie auch durch schwere Wege leitet, gibt sie an die Bevölkerung weiter.
Aus dem Erlös der Kirchenzeitungs-Kochbücher „Rezepte aus dem Pfarrhaushalt. Gutes für Leib und Seele” erhielt die Missionsstation Raducaneni schon zweimal Spendengelder.
ZUR SACHE
EU - fit machen
Rupert Mairinger ist Biolandwirt aus Atzbach bei Schwanenstadt, verpachtete 2000 seinen Hof, und arbeitet seither bei Hilfsprojekten in Rumänien. Zur Zeit betreut er den Landwirtschaftsbetrieb der Caritas in Ciacova (Nähe Temesvar), der als Genossenschaft organisiert ist.
Menschen aus Ciacova und den umliegenden Dörfern, die aus finanziellen Gründen oder zu hohem Alter nicht in der Lage sind, selber ihre kleinen Grundstücke zu bewirtschaften, haben ihre Felder der Caritas zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug unterstützt sie die Caritas mit Grundnahrungsmitteln.
Seit 1990 bewirtschaftet die Caritas 700 ha Ackerland und hat sich stetig vergrößert. Durch eigene Viehhaltung werden die Produkte in der eigenen Molkerei und Metzgerei verarbeitet.
Die Caritas verfügt ebenfalls über eine Bäckerei. Diese versorgt täglich einen Kindergarten und ein psychiatrisches Krankenhaus mit Brot – ohne Bezahlung. Für die komplette Eigenproduktion fehlt allerdings eine Mühle.
Durch die Spenden an die Hochwasseropfer hat die Caritas Ciacova nicht annähernd die Mittel für diesen notwendigen Kauf. Die Aufgabe Rupert Mairingers besteht darin, den landwirtschaftlichen Betrieb der Caritas auf den geplanten EU-Beitritt 2007 vorzubereiten. Doch wegen der bereits vierten Hochwasserkatastrophe in diesem Jahr ist die Stimmung unter den Menschen sehr gedrückt und die Aufgabe nicht einfach.