Spiritualität und politische Aktivitäten sind kein Widerspruch
Ausgabe: 2005/35, Jugend, Katholische Jugend, Politik, Spiritualität, Schönleitner, Deschka
31.08.2005
- Wolfgang Schönleitner
Politikverdrossenheit, soziales Desinteresse, Mangel an Einsatzbereitschaft – das sind Eigenschaften, mit denen Jugendliche gerne pauschal charakterisiert werden. Dass es sich bei dieser Einschätzung sehr oft um Vorurteile handelt, zeigt das hohe Interesse am gesellschaftspolitischen Engagement von Gruppierungen der Katholischen Jugend (KJ). Laut Geschäftsführer der KJ Österreich, Clemens Pichler, geht junge Menschen „alles etwas an, was mit der Zukunft unserer Welt zu tun hat“.
Für die KJ gehört gerade politisches Engagement zur ernsthaften Nachfolge Jesu. Sie setzt dahingehend auch wesentliche Akzente: Enchada, Team G, Allianz für den freien Sonntag oder das Jugend-Umwelt-Netzwerk (JUNE) sind KJ-Gruppierungen, die für Gerechtigkeit, Menschenwürde und Nächstenliebe stehen.Und wenn 800.000 Jugendliche beim Weltjugendtag diese Werte hochhalten, ist das auch eine Form von politischem Statement.
Die Welt geht uns etwas an
Für die Katholische Jugend gehört auch politisches Engagement zur Nachfolge Jesu
Sehen, urteilen, handeln: Diese Grundregel des charismatischen Jugendseelsorgers Josef Cardijn wird in der Katholischen Jugend auch heute noch hochgehalten.
„Gott sei Dank ist die Katholische Jugend auch eine politische Jugendbewegung“, sagt Ursula Schmidinger, Leiterin der KJ- Oberösterreich. „Denn wer die Nachfolge Jesu ernst nimmt, kann gar nicht anders, als politisch zu sein, als sich für Friede, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.“ Spirituelle Erfahrung und gesellschaftspolitisches Engagement sind kein Widerspruch.Clemens Pichler, Geschäftsführer der Katholischen Jugend Österreich (KJÖ), betont die Bedeutung der Katholischen Jugend (KJ) als „Stimme und Sprachrohr junger Menschen“. Dementsprechend vielschichtig ist das Engagement der KJ, denn „junge Menschen geht alles etwas an, was mit der Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Welt zu tun hat!“
Eine gerechte Welt
Gemäß dem Motto „ sehen – urteilen – handeln – feiern“ setzt sich Enchada, das entwicklungspolitische Bildungsreferat der KJ, für gerechtere Beziehungen zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern ein. Ein wichtiger Bereich dabei ist die Förderung von Fair-Trade-Produkten. „Um Jugendlichen einen Zugang zu dieser komplexen Thematik zu eröffnen, entwickelt Enchada laufend Arbeitshilfen und Materialpakete“, sagt Ute Mayrhofer, Projektleiterin von Enchada. „Außerdem bieten wir Schulungen und Workshops zu entwicklungspolitischen Themen an und ermöglichen Jugendlichen am Austauschprojekt mit Indien und El Salvador teilzunehmen.“
Eine solidarische Welt
Das Team Gesellschaftspolitik (Team G) der KJ unterstützt derzeit die Kampagne zur Steuergerechtigkeit von attac. Darin wird aufgezeigt, wie mit einfachen steuerlichen Lenkungsmaßnahmen der Sozialstaat und damit Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Verkehrsmittel weiterhin leistbar bleiben. Elisabeth Rohrmoser vom Team G erklärt die Wichtigkeit dieses vermeintlich trockenen Themas für Jugendliche damit, dass „ständige Kürzungen im Sozialbereich besonders Jugendliche betreffen, da sie in ihren Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten massiv beschränkt werden“. „Gerade in Zeiten hoher Jugendarbeitslosigkeit müssen die Errungenschaften des Sozialstaates geschützt werden“, fügt Daniel Dullnig erklärend hinzu. Eine dieser gefährdeten Errungenschaften ist der arbeitsfreie Sonntag. Deshalb arbeitet die KJ in der „Allianz für den freien Sonntag“ mit und betont, dass der unverzichtbare gesellschaftliche Wert der freien Zeit als Erholung, Auszeit, Zeit für die Familie nicht den Profit-Interessen des Marktes geopfert werden darf.
Eine lebenswerte Welt
Einen hohen Stellenwert in der gesellschaftspolitischen Arbeit der KJ nimmt auch der Umweltbereich ein. Das Jugend-Umwelt-Netzwerk (JUNE) setzt sich für eine gerechte Verteilung von Lebenschancen ein, indem es Jugendarbeit zu den Themen Umweltschutz, Naturschutz, Globalisierung etc. durchführt. Ziel des Projekts ist eine nachhaltige, umweltbewusste Lebensweise zu fördern, indem mit Jugendlichen auf die Verantwortung gegenüber der Schöpfung hingewiesen wird. „Man könnte auch sagen, das JUNE fördert eine Einstellung, die dem Gegenteil von ,hinter mir die Sintflut‘ entspricht“, erklärt der Projektleiter Christian Deschka.
Bleibt nur noch eine Frage: Gibt es überhaupt noch Jugendliche, die sich sozial, politisch oder ökologisch engagieren möchten? Dazu meint Barbara Niklas: „Ich mache das, weil ich das Gefühl habe, dadurch etwas Sinnvolles zu tun. Durch meine Mithilfe kann etwas entstehen, für das sonst die Kapazitäten nicht ausreichen würden. Außerdem bekomme ich durch die Mitarbeit bei Projekten einen Einblick in die Arbeitswelt, in die Struktur einer Organisation und den damit verbundenen Anforderungen und Problemen. Ehrenamtliches Engagement bringt also auch was für die berufliche Laufbahn.“
Wolfgang Schönleitner
Webtipps
Allianz für den freien Sonntag: http://www.freiersonntag.at Jugend-Umwelt-Netzwerk: http://www.jugend-umwelt-netzwerk.at Enchada: http://www.kath-jugend.at/enchada attac: http://www.attac.at