Mit einer interessanten Kirchen- und Kulturgeschichte können einige der Spielorte aufwarten, in denen EM-Stadien liegen. So befindet sich in Saint-Denis eine Kathedrale mit der Grablege der französischen Könige. Die Stadt ist Ort des EM-Eröffnungsspiels und des Finales mit dem „Stade de France“.
Ausgabe: 2016/23
08.06.2016
- Kathpress/Alexander Brüggemann
Heute graue Pariser Vorstadt und ein Schauplatz der jüngsten Terroranschläge, ist Saint-Denis auch ein Symbolort der frühen Stadtgeschichte. Am Montmartre („Hügel der Märtyrer“), der christlichen Keimzelle von Paris, soll um 250 der Stadtpatron Bischof Dionysius (frz. Saint-Denis) auf seinem Richtplatz sein abgeschlagenes Haupt genommen und damit sechs Kilometer nach Norden gegangen sein. Wo er sich schließlich niederlegte, erhebt sich heute die Basilika Saint-Denis, Grablege der französischen Könige und erstes Beispiel der französischen Gotik.
Marseille wiederum ist Frankreichs älteste Stadt. In den letzten Jahren hat sie sich gemausert und an ihrem Image als Stadt mit Charme gearbeitet. Prestigeprojekte wie die ehemalige Speicherstadt „Euromediterranee“ am Hafen, neue Verkehrswege, Parks und Freizeitanlagen machten die Kulturhauptstadt 2013 für Jahre zur wohl größten Baustelle für Stadterneuerung im Süden Europas. Die Metropole mit rund 850.000 Einwohnern und einem enormen Migrantenanteil ist die Hauptstadt der Niedrigtemperatur-Fischsuppe (Bouillabaisse), des Pastis und der Weihnachtskrippen. Über sie wacht Maria in der byzantinischen Kirche Notre-Dame de la Garde. Lyon, drittgrößte Stadt des Landes und Herzstück französischer Küche, hat ein historisches Zentrum, das zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Unweit nordwestlich von Lyon liegt das Dominikanerkloster La Tourette, Le Corbusiers Meisterwerk. Mit seinem Konzept aus Sichtbeton griff der Architekt die Lichtmetaphorik von Abt Suger von Saint-Denis auf: „per visibilia ad invisibilia“ – vom Sichtbaren zum Unsichtbaren.
Lille hat viel mehr zu bieten, als man glaubt. Es gibt im Land der Sch‘tis einige erstaunliche Kulturdenkmäler zu entdecken, etwa die Basilika-Kathedrale Notre-Dame-de-la-Treille. Sie fasziniert mit ihrer kuriosen Fassade. 1991 wurde nämlich beschlossen, den provisorischen Westabschluss abzubrechen und eine postmoderne, nur anspielungsweise gotisierende Schauseite mit Rundfenster zu errichten. Der Bau entstand bis 1999 als selbstständige Konstruktion aus überwiegend transparenten Materialien nach einem Entwurf von Peter Rice und Pierre-Louis Carlier. Die „Braderies de Lille“ schließlich sind das alljährliche Stadtfest im September. Es bringt einen Volksauflauf zusammen.
Toulouse ist dann wiederum eine der ganz großen Kulturstädte des „Midi“ (Südens). Romanische und gotische Kirchen und Klöster, die Garonne und die Renaissancehäuser der reichen Kaufleute prägen das leuchtende Stadtbild. Typisches Gericht ist Cassoulet – ein deftiger Auflauf aus weißen Bohnen und ganz viel Fleisch.
Zur Sache
Vatikanischer Fußball
Der Vatikan hat keine Nationalmannschaft, ist nicht Mitglied des Weltfußballverbandes FIFA und kann daher nicht an der EM teilnehmen. Es gibt jedoch eine inoffizielle vatikanische Auswahl, die Freundschaftsspiele absolviert. Im Finale des bedeutendsten Turniers für katholische Priester, dem „Clericus Cup“, unterlag die Auswahl des Päpstlichen Priesterkollegs „De Propaganda Fide“ kürzlich in Rom den Kickern der Ordensgemeinschaft „Legionäre Christi“. In den beiden Vorjahren hatte die Mannschaft in den vatikanischen Farben Weiß-Gelb gewonnen.
Mahnung an die FIFA
Der Papst hat FIFA-Präsident Gianni Infantino dazu gemahnt, Ordnung und Ehrlichkeit in den Weltfußballverband zurückzubringen. Fußball sei eine „Waffe im positiven Sinn“, vor allem da er zur Erziehung und zur sozialen Integration von Kindern beitrage, sagte der Papst Franziskus.
Tipps aus der Kirche
Sr. Beatrix Mayrhofer hält zwar kleinen Mannschaften die Daumen. Doch die in Kirchenkreisen als Fußballexpertin geltende Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs tippt auf Deutschland als heurign EM-Sieger – ebenso wie der Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Für Österreich hofft Sr. Mayrhofer auf den Einzug ins Achtelfinale. Erzbischof Lackner sagte: „Wenn österreichische Unbekümmertheit mit Schweizer Präzision zusammenkommen, ist dem Team viel zuzutrauen.“