In zwei Monaten werden Windräder zehn Prozent der Mühlviertler Haushalte mit Strom versorgen. Der Religionslehrer Andreas Reichl betreibt das Projekt seit beinahe einem Jahrzehnt.
„Selbstverständlich war ich bei den Protesten gegen das Atomkraftwerk Temelin dabei“, sagt der 42-jährige Andreas Reichl. Das Wort selbstverständlich bezieht er auf die Verantwortung, die er besonders seinen drei Kindern gegenüber empfindet. Doch bald hat er gemerkt, dass Nein sagen allein zu wenig ist. „Ich kann zwar gegen Temelin sein, Strom brauche ich aber dennoch.“ So begann er sich mit Alternativen zu beschäftigen, initiierte Windmessungen und bewies vor allem Standfestigkeit bei Gegenwind: Die erste Messung ging schief, auf der Sternsteinwarte fand er schließlich die Ergebnisse, die eine Windkraftanlage sinnvoll erscheinen ließen. Die Warte ist ein symbolträchtiger Ort: An klaren Tagen erkennt man die Kühltürme von Temelin. In Sichtweite des Atomkraftwerkes ging am 29. August 2003 die erste Windkraftanlage ans Netz – eine Form der Energieerzeugung, die zeigt, dass „es auch anders geht“. Die sechs weiteren Windräder stehen nun vor der Fertigstellung. Damit ist der Windpark voll ausgebaut. Reichl bedauert, dass die tschechische Nachbargemeinde Loucovice nicht auf das Projekt aufgesprungen ist und ebenfalls Windkraftanlagen errichtet hat. Exakt 150 Meter ist eine Anlage hoch, die Rotoren haben einen Durchmesser von 90 Meter. Die einzelnen Windräder ragen weit über die Wipfel der Bäume des rund 1.300 Hektar großen Sternwalds. „Natürlich verschönern wir damit nicht den Sternwald. Es ist ein Krompromiss, aber ein sinnvoller und verantwortbar“, betont Reichl. Dem pflichten auch die Bewohner der Standortgemeinde Vorderweißenbach bei. Von Anfang an war die Gemeinde in das Vorhaben einbezogen und hat es durch – einstimmige – Beschlüsse erst ermöglicht. Bei einer Umfrage bekundeten 90 Prozent der Bevölkerung ihre Zustimmung zu dem 16 Millionen Euro teuren Projekt. Der Windpark Sternwald wird ab November – umweltfreundlichen – Strom für 9.000 Haushalte produzieren, jährlich rund 31,2 Millionen KWh. Betrieben wird der Windpark von der Sternwind Errichtungs- und BetriebsGesellschaft.
Beteiligung an "Sternwind"
Zur Sache
An der Sternwind Errichtungs- und Betriebs-Gesellschaft ist eine unternehmerische Beteiligung möglich. Informationen: Andreas Reichl, Raiffeisenstraße 12, 4190 Bad Leonfelden, Tel. 0664/ 300 18 81; E-Mail: sternwind@aon.atwww.sternwind.at
Zur Person
Die Erde gestalten
Andreas Reichl ist der Kopf und der Motor des Windparks im Sternwald, Gemeinde Vorderweißenbach, an der tschechischen Grenze. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Bad Leonfelden. Das Elternhaus war ein Bauernhaus in Pregarten. Er maturierte an der HBLA für Landwirtschaft in St. Florian und studierte in Linz Theologie. An der Tourismusschule in Bad Leonfelden unterrichtet er Religion und Ethik. Der Einsatz für die umweltfreundliche Windkraft gehört für ihn zum Schöpfungsauftrag der Bibel: „Als Menschen dürfen wir die Erde gestalten, heißt es in der Schöpfungsgeschichte.“ Die Übersetzung „Macht euch die Erde untertan“ findet er missverständlich. Wenn er an das AKW Temelin denkt, sieht er eine Umkehrung: Die Technik mit hohem Risiko macht sich über kurz oder lang die Menschen untertan.
Zu seinen Lieblingsworten aus der Bibel gehört ein Satz aus dem Buch Genesis: Wandle her vor mir und sei aufrecht. „Ich verbinde damit ein mündiges und aufrechtes Menschsein. Auch bei dem Windparkprojekt waren wir um Wahrhaftigkeit bemüht“, so Reichl. „Es war völlig klar, dass wir von Anfang an die Pläne für alle sieben Windkraftanlagen auf den Tisch gelegt haben und nicht bloß für die erste.“