Sport statt Computer? Wie soll das gehen, fragen viele Eltern. Die Sportwissenschafterin Christina Eppich weiß, dass man nicht früh genug beginnen kann, den Kindern freie Bewegung zu ermöglichen.
Ab wann sollte man darauf achten, dass sich Kinder ausreichend bewegen? Eppich: Von Anfang an! Bereits im Säuglingsalter haben Kinder einen natürlichen Bewegungsdrang. Diesen in ausreichender Form ausleben zu dürfen, ist maßgebend für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung. Wichtig ist es, für Kinder ein motorisch ansprechendes Umfeld zu schaffen – zum Beispiel mit einer Matte im Kinderzimmer, diversen Bällen, einem Rutschauto, einer Schaukel, einem Brett zum Balancieren, einer Springschnur, mit Stelzen, einem Reifen, einem Skateboard, mit Inlineskatern, einem Roller, einem Tischtennistisch, einem Basketballkorb – und gemeinsam mit dem Kind auf motorische Entdeckungsreise zu gehen. Bis zum Schulalter wird der Grundstein für eine gute Bewegungskoordination gelegt.
Sollte man gezielt Sportarten fördern oder reicht Bewegung im Freien aus? Eppich: Eine gutes Verhältnis beider Bereiche wäre sinnvoll. Kinder brauchen Freiräume, in denen sie selbstbestimmte Bewegungserfahrungen sammeln können (das kann ein Wald, ein Park, ein Spielplatz oder ein Bachbett sein), aber auch gezielte Bewegungsanleitungen durch gut ausgebildete Personen. Es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele Kinder das breite Bewegungsangebot in Sportvereinen nützen würden.
Wie motiviert man (Schul)Kinder, sich zu bewegen, anstatt vor dem Computer zu sitzen? Eppich: Wenn Kinder von klein auf vom Elternhaus und dem direkten sozialen Umfeld ein aktives, bewegungsorientiertes Leben vorgelebt bekommen, werden sie sich auch im späteren Leben für Sport und Bewegung begeistern können. Wichtig ist es, die Kinder viele Sportarten ausprobieren und selbst ihre Lieblingssportart wählen zu lassen.
Welche Sportarten eignen sich zum Anfangen? Eher Einzel- oder Mannschaftssportarten? Eppich: Für die Kleineren bis zum Schulkindalter eignen sich als Einstieg das Eltern-Kind-Turnen und Kinderturnen am besten, um einen breiten Bewegungsschatz zu erlangen. Gerade in diesem Rahmen werden die von Kindern heißgeliebten Fertigkeiten wie Rollen, Schwingen, Klettern, Springen, Laufen, Ballspielen oder rhythmisches Bewegen geübt und spielerisch umgesetzt. Im Anschluss daran ist alles möglich und die Kinder sollten viele Sportarten kennenlernen dürfen. Zusätzlich zur Schulung der motorischen Fähigkeiten fördern die verschiedenen Sportarten unterschiedliche Kompetenzen. Kampfsportarten stärken das Selbstvertrauen, Mannschaftssportarten fördern den Teamgeist und die soziale Kompetenz und Einzelsportarten unterstützen die Individualität des Sportlers.
Müssen es Training, Leistungssport und Wettkämpfe sein oder reicht einfach Spaß am Sport? Eppich: Bis ins frühe Kindergartenalter, ca. bis vier Jahre, reicht der Spaß am Sport aus. Danach messen sich Kinder einfach sehr gerne mit Gleichaltrigen. Ein angeleitetes altersentsprechendes Üben und Trainieren in Vereinen und kindgerechte Wettkämpfe, ohne übereifrige Eltern und Trainer, bereiten den Kindern in der Regel viel Freude und wären zu befürworten. Doch eines ist ganz wichtig: Der Spaß am eigentlichen Tun darf nie verloren gehen!
Wie wichtig sind sportliche Eltern oder bekannte Sportidole als Vorbilder? Eppich: Wie schon zuvor angesprochen, ist es sehr wichtig, dass die Eltern für ihre Kinder ein bewegungsorientiertes Umfeld schaffen und mit gutem Beispiel vorangehen. Ältere Kinder und Jugendliche orientieren sich gerne an Freunden, Kollegen aus dem Sportverein und Idolen aus dem Spitzensport.