Teresa (13 Jahre) wird in der Klasse als „Dickes Schwein“ verspottet. „Niemand will mit mir zu tun haben. Niemand lädt mich ein. Ich hab´ Angst vor den anderen!“, erzählt sie. Über Whats app wird sie außerdem als Streberin beschimpft.
Das Wort Mobbing kommt vom englischen Wort mob (= Pöbel, anpöbeln). Bei Mobbing werden bewusst bestimmte Kinder aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt. Wir sprechen von Mobbing dann (und nur dann), wenn negative, andere schädigende, abwertende, beschämende, erniedrigende, beleidigende Handlungen über einen längeren Zeitraum, ganz systematisch gegen eine bestimmte Person immer und immer wieder, bei jeder sich bietenden Gelegenheit getätigt werden. Bei Mobbing besteht ein Gefälle zwischen den beteiligten Kindern. Das gemobbte Kind ist den anderen unterlegen. Es ist kein Mobbing, wenn zwei gleich starke Jugendliche miteinander streiten.
Die Dynamik des Mobbings
Typischerweise werden in einer Gruppe die Kinder gemobbt, die sich von den anderen in bestimmten Merkmalen unterscheiden (dick, dünn, nicht sportlich, gute Schüler, etc.) und die keinen Widerstand leisten. Indem sie ihre Mitschüler abwerten und ausgrenzen, fühlen sich Mobber stärker und besser. Viele Mobber leiden eigentlich unter einem geringen Selbstwert und versuchen, diesen durch das Mobbing zu heben. Es ist ein Machtspiel, bei dem sich manche Schüler durch ihr unsoziales Verhalten über andere erhöhen.
Ich erzähle Teresa vom Sündenbockmechanismus
Manche Menschen (Gruppen) übertragen jede Schuld auf einen anderen Menschen, um sich selbst davon zu befreien. Durch das Finden eines Sündenbocks werden alle (eigenen) Fehler und Schwächen der Gruppe auf diese Person übertragen. Teresa wird beschuldigt, zu dick zu sein, damit sich die Schulkolleg/innen attraktiver fühlen. Die Schulkolleg/innen beschimpfen Teresa als Streberin, um von ihren (nur) mittelmäßigen Erfolgen abzulenken. Die Mitschüler/innen können so ein positives Bild von sich selbst aufrecht erhalten.
So nicht! Mobbing-Opfer brauchen Hilfe
Für Teresa ist es wichtig, dass ich sie verstehe und mich auf ihre Seite stelle. Indem ich klarstelle, dass die Schulkolleg/innen so nicht mit Teresa umgehen dürfen, kommt die ver-rückte Welt von Teresa wieder ein bisschen in Ordnung. Sie weiß nun, dass es Unrecht ist, was die Mitschüler mit ihr tun. Sie lernt, dass sie das alles nicht aushalten muss und sich wehren darf.
Grenzen setzen – Widerstand leisten
Wir üben verschiedene Sätze ein, die Teresa zum richtigen Zeitpunkt sagen kann. Auf die Beschimpfung „Du dickes Schwein“ kann Teresa zum Beispiel antworten: „Du bist aber echt dünn!“ „Eure Abwertungen sind mir doch zu blöd. Ich weiß, dass ich schön bin!“ Eine gute Antwort auf den Vorwurf der „Streberin“: „Habt ihr eigentlich schon gelernt? Soll ich euch was erklären?“
Aussteigen aus der Opferrolle
Teresa sitzt jeden Tag in der Pause allein an ihrem Tisch. Indem sie auf eine Einladung zum Tisch der anderen wartet, verhält sie sich passiv als Opfer. Wir überlegen, wie sie aus der Opferrolle aussteigen und sich aktiv am Geschehen beteiligen kann. Sie kann ja nichts verlieren. Schlechter kann es nicht mehr werden. Teresa hat folgende Idee: Sie stellt sich in der Pause zu den anderen. Sie will nicht um jeden Preis mit den anderen reden. Das entlastet sie. Sie will nur einfach dabei sein. Nur, wenn ihr etwas Interessantes einfällt, sagt sie etwas. Teresa beschließt, wieder mutig zu werden. Sie rechnet mit verschiedenen blöden Bemerkungen. Sie kennt aber jetzt die Dynamik des Mobbings und nimmt so manche blöde Aussage nicht mehr persönlich. „Ich kenne diese Leute. Die brauchen mich, um sich gut zu fühlen.“ „Ich lasse mir von denen nicht mein Leben verderben.“ Sie findet auch zwei Mädchen, mit denen sie Freundschaft schließt.
Tipp: Die Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes OÖ hat eine gute Broschüre für Eltern zusammengestellt. Download unter http://www.kija-ooe.at/Mediendateien/Elternbroschuere.pdf
Zur Sache
Wer mobbt?
Kinder, die in ihrer Familie erleben, dass man mit rücksichtslosem Verhalten seine Ziele erreichen kann. Kinder, denen keine Grenzen gesetzt werden. Kinder, die sich stark, mächtig und überlegen fühlen. Kinder, die sich hilflos und überfordert fühlen und keinen anderen Weg sehen.
Wer wird gemobbt?
Kinder, die den dominierenden Gruppennormen nicht entsprechen. Kinder, die sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht wehren.
Strafe für Cybermobbing
Seit 1. 1. 2016 steht das sogenannte Cybermobbing (Mobbing in Internet, sozialen Medien) unter Strafe.
Beratung: Andrea Holzer-Breid, beziehungleben.at, Beratungsstelle Linz, beratung@kirchenzeitung.at
Bei Fragen und Problemen wenden Sie sich an: Beziehung Leben, Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/77 36 76.