Orthodoxe Kirche: Nach dem Konzil ist vor dem Konzil
Als das große orthodoxe Konzil auf Kreta am Sonntag zu Ende ging, fehlte zwar auch noch ein fünftes Kirchenoberhaupt. Für die anderen war das erste Kirchentreffen seit rund 1100 Jahren aber ein Erfolg – mit Aussicht auf Fortsetzung.
Friedenstauben ließen die Patriarchen und Erzbischöfe von neun eigenständigen orthodoxen Kirchen am Sonntag aufsteigen. Das friedliche Bild überdeckte, dass mehrere wichtige Personen fehlten: Die Oberhäupter der Kirchen von Moskau, Bulgarien, Georgien und Antiochia waren bekanntlich gar nicht erst zum Konzil erschienen. Und Erzbischof Hieronymos von Athen war laut Korrespondentenmeldungen gegen Ende des Konzils abgereist, weil er seine konservativen Positionen nicht durchgebracht hatte. Die neun anderen orthodoxen Kirchenoberhäupter dürften zufrieden sein: Die sechs vorbereiteten Konzilsdokumente samt einer Erklärung und einer Enzyklika waren angenommen worden. Neben innerorthodoxen Themen wie Fastenregeln, Kirchenautonomie und Organisation ging es um „Kirche in der heutigen Welt“, Eheregeln und Ökumene. Konservative Teile der Orthodoxie hatten sich hier gegen eine Bezeichnung von nichtorthodoxen Gemeinschaften (inklusive der katholischen Kirche) als Kirche gewandt. Ob das „K-Wort“ nun doch im Text steht, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt, weil die Veröffentlichung der Texte auf sich warten ließ. Allerdings sprach es der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., in seiner Schlussbotschaft gleich mehrmals aus – was insofern kein Wunder ist, weil er in der Orthodoxie ohnehin als Vorreiter der Ökumene gilt.
Reaktionen
Jedenfalls waren die Reaktionen in der Ökumene sehr positiv. Auch Papst Franziskus sprach von einem „positiven Resultat“. Vorsichtiger hatten sich zuvor orthodoxe Theologen geäußert: Der Erfolg des Konzils werde sich erst zeigen; es komme darauf an, wie die Beschlüsse aufgenommen werden. Das betrifft sowohl die teilnehmenden Kirchen als auch jene vier, die von Anfang an ferngeblieben sind. Ihnen steht die Möglichkeit offen, die Beschlüsse nachträglich anzunehmen. Ein entscheidender Punkt dürfte sein, dass orthodoxe Konzile von nun an in regelmäßigen Abständen von sieben bis zehn Jahren stattfinden sollen. Das soll offenbar der Orthodoxie auch dabei helfen, sich als weltweite Gemeinschaft zu erleben. Damit heißt es nun: Nach dem Konzil ist vor dem (nächsten) Konzil – mit der Hoffnung auf Beteiligung der diesmal Ferngebliebenen.